Baukonzern
Hochtief gerät ins Visier von Investoren

Der größte deutsche Baukonzern Hochtief wird möglicherweise zum Übernahmeziel von Finanzinvestoren und der internationalen Konkurrenz. Großaktionär Custodia prüft derzeit den Verkauf seines Anteils von 25,08 Prozent.

DÜSSELDORF. Hochtief könnte zum Übernahmeziel von Finanzinvestoren und der internationalen Konkurrenz werden. Der Milliardär August von Finck erwägt den Verkauf seines 930 Mill. Euro schweren Aktienpakets. Von Fincks börsennotierte Holding Custodia teilte mit, sie werde eine Investmentbank mit der Prüfung des Verkaufs der 25,08 Prozent beauftragen.

„Dies sorgt für erhebliche Unruhe im Markt,“ meinte WestLB-Analyst Ralf Dörper. Damit dürften Spekulationen über eine Übernahme von Hochtief wieder aufleben. Zumal die Custodia-Beteiligung nahe an der 30 Prozent Schwelle liegt, von der an ein Übernahmeangebot Pflicht wird.

Custodia begründet die Verkaufs-Pläne mit der hohen Wertsteigerung des Aktienpakets. Die Hochtief-Papiere haben seit dem Einstieg im Herbst 2005 fast ein Drittel an Wert gewonnen. Zudem scheint ein Ende des Höhenflugs in Sicht. Trotz Erholung der deutschen Bauwirtschaft ist das Ergebnis von Hochtief hier zu Lande rückläufig. „Hochtief hat durchaus noch Wertpotenzial, das man heben kann“, meinte Marc Nettelbeck, Analyst von der LBBW. Dazu brauche der Konzern aber einen Investor, der mehr als nur begleite.

Custodia nennt dann auch „die Konzentration unter den weltweit agierenden Bauunternehmen“ als weiteren Grund für die Verkaufspläne. Als einer der größten internationalen Baudienstleister sei Hochtief unverändert auf Erfolgskurs. Holding-Chef Manfred Karl war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Eine Hochtief-Sprecherin wollte die Erklärung auch nicht kommentieren. An der Börse büßte die Hochtief-Aktie zunächst ein, drehte aber ins Plus, als der Konzern einen 945 Mill. Euro Auftrag für eine Mautautobahn bei Wien bekannt gab.

Beobachter vermuten, dass Custodia bereits einen Interessenten an der Angel hat. Als potenzielle Käufer waren in der Vergangenheit zum Beispiel die französische Vinci-Gruppe gehandelt worden. Sie ist aber ohnehin die Nummer eins in der Welt. Eine Sprecherin wollte die Gerüchte nicht kommentieren. In Frage kommen auch spanische Baukonzerne, die das internationale Geschäft stark ausbauen. Rivale Bilfinger Berger winkt ab. „Wir haben kein Interesse an einer Übernahme des Aktienpakets der Custodia,“ sagte ein Sprecher.

Auch Finanzinvestoren werden als Interessenten genannt, allen voran Macquarie. Die australische Finanzgruppe sitzt bereits gemeinsam mit Hochtief beim Flughafen Sydney in der Investorengruppe. Hochtief gilt seit jeher als Ziel für Finanzinvestoren, vor allem wegen der erfolgreichen Auslandstöchter Turner in den USA und Leighton in Australien sowie wegen des Flughafengeschäfts.

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