Baukonzern peilt im laufenden Geschäftsjahr erneut deutlich besseres Ergebnis an
Hochtief baut das Geschäft mit Dienstleistungen aus

DÜSSELDORF. „Wir hätten unter dem Strich noch 20 Mill. Euro besser sein können“, sagte Hochtief-Chef Hans-Peter Keitel auf der Bilanzpressekonferenz. Doch Pannen auf amerikanischen und australischen Baustellen haben 2004 das Ergebnis des Essener Konzerns in dieser Größenordnung vermasselt.

Kein Wunder also, dass Keitel im laufenden Geschäftsjahr nach Beseitigung der Problemfelder eine Steigerung des Ergebnisses vor Steuern (EBT) im oberen einstelligen Prozentbereich und ein überproportionales Wachstum des Gewinns ankündigt. Die Aktionäre dürfen sich freuen. Eine Erhöhung der Dividende wird nicht ausgeschlossen. Auch für 2004 gibt es mit 75 Cent je Aktie zehn Cent mehr als im Jahr zuvor. Nach der Platzierung der von dem Energiekonzern RWE über Jahrzehnte gehaltenen Anteile sind 80 Prozent der Aktien in Streubesitz. Hauptkonkurrent Bilfinger Berger legt seine Ergebniszahlen in der kommenden Woche vor.

Wie der Konkurrent punktet Hochtief vor allem im Ausland: 12,8 Mrd. Euro des Auftragseingangs von 15,6 Mrd. Euro stammen aus dem Ausland. Davon kommen 6,4 Mrd. Euro von der US-Tochter Turner und 5,5 Mrd. Euro aus Australien von der Tochter Leighton. Mit 10,7 Mrd. Euro werden rund 85 Prozent der Bauleistung von 13,1 Mrd. Euro im Ausland erwirtschaftet, davon der Löwenanteil in Übersee und nur 2,5 Mrd. Euro in Europa, im wesentlichen in Deutschland. Von 36 400 Mitarbeitern arbeiten knapp 27 000 im Ausland, davon 17 000 in der Region Asien-Pazifik.

Genau wie Bilfinger hat Hochtief die Ergebnisstruktur durch den Ausbau des Dienstleistungsgeschäfts erheblich verbessert. Während das Management von Gebäuden, Flughäfen oder Autobahnen und Schulen nur ein Drittel zum Konzernumsatz beisteuert, fällt der Anteil dieser baunahen Leistungen beim Ergebnis vor Steuern mit zwei Dritteln deutlich höher aus. Dies sichert dem Konzern im Gegensatz zum Projektgeschäft stabile, langfristige Erträge. „Unsere Kernkompetenz ist das Bauen – im weitesten Sinn“, nennt Keitel das.

Auch in Deutschland ließe sich erfolgreich bauen, wenn man sich nicht auf die völlig unsinnige Preisschlacht einlasse, sagte er. Das bestätige der Zusammenbruch der Walter Bau. Die deutsche Bauindustrie müsse die Pleite als Signal verstehen, die Strukturen im Baumarkt „aktiv an die heutigen Verhältnisse“ anzupassen und Kapazitäten abbauen. Dazu sei aber eine Übernahme weiter Teile des Augsburger Unternehmens durch die österreichische Strabag allein nicht ausreichend. Keitel bezweifelte, dass damit rund die Hälfte der Arbeitsplätze von Walter Bau erhalten werden können, wie der Insolvenzverwalter gestern angekündigt hatte: „Wir kommen da zu einer anderen Einschätzung.“ Keitel erneuerte sein Interesse an der Walter-Technik-Tochter DSI. Verhandlungen gebe es aber derzeit nicht.

Hochtief Construction, die sanierte Deutschland-Tochter, erreichte 2004 ein Ergebnis (Ebita) von 26 Mill. Euro nach einem ausgeglichenen Ergebnis 2003. Ins laufende Jahr sei die Tochter mit einer „ungewöhnlich hohen Auslastung von 73 Prozent der Jahresleistung“ gestartet und habe den Auftragseingang auf 400 Mill. Euro gesteigert.

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