Baukonzern weiter ohne Vorstandschef
Walter Bau hält an Zielen fest

Das Augsburger Unternehmen Walter Bau erwartet in diesem Jahr wegen der anhaltenden Baukrise wie bereits angekündigt einen Rückgang der Bauleistung. Bei der Suche nach einem neuen Konzernchef ist der Baukonzern gut fünf Wochen nach dem Unfalltod von Wolf Fitzner zudem noch nicht fündig geworden.

HB MÜNCHEN. „Wir haben eine Verteilung der Aufgaben von Herrn Fitzner vorgenommen“, sagte ein Walter Bau-Sprecher am Freitag am Rande der Hauptversammlung in München. „Damit ist Kontinuität sichergestellt, sowohl was das Ergebnis als auch die Strategie angeht.“ Dies gebe dem Aufsichtsrat die Möglichkeit, ohne unnötigen Zeitdruck einen Nachfolger zu suchen. Der Sprecher ließ offen, ob es sich hierbei um eine interne oder externe Lösung handeln wird.

Obwohl der über Jahre hinweg defizitäre Walter Bau-Konzern 2003 nur dank des Verkaufs von Grundstücken und Baugeräten einen kleinen Gewinn ausweisen konnte, lobten Anteilseigner mehrheitlich die Geschäftsentwicklung. Vor zwei Jahren war auf der Hauptversammlung noch am Fortbestand des Unternehmens gezweifelt worden. 2003 hatte Walter Bau einen Jahresüberschuss von 2,1 (2002: 0,2) Mill. € und einen operativen Gewinn (Ebit) von 25,4 (10,8) Mill. € verbucht. Die Bauleistung sank auf 3,1 (3,3) Mrd. €.

Vorstandschef Fitzner war Mitte Mai bei der Reparatur eines Oldtimers tödlich verunglückt. Damals hatte es noch geheißen, es solle kurzfristig über eine Nachfolge entschieden werden.

„Das Ergebnis und auch der Aktienkurs ... zeigen, dass das Unternehmen auf richtigem Kurs ist“, sagte ein Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) und dankte im Namen der Aktionäre Wolf Fitzner. Die Liquidität des Konzerns sei aber nach wie vor „das Hauptproblem“. Ende 2003 hatte Walter Bau Bankschulden von 192 Mill. € - von denen über 95 % binnen Jahresfrist auslaufen.

Deutlicher wurden Kleinaktionäre. „Ohne die außerordentlichen Erträge hätte die Gesellschaft tief rote Zahlen geschrieben“, sagte ein Redner. Ein anderer Anteilseigner ergänzte: „Die Lage ist nicht so rosig, wie sie hier dargestellt wird.“ Er habe aber die Hoffnung, dass der Konzern überlebe.

Aufsichtsratschef und Mehrheitseigentümer Ignaz Walter reagierte hierauf in unüblich rüder Form. „Ich glaube, der Herr (...) ist krank.“ Er müsse sich offenbar alljährlich auf der Hauptversammlung „so boshaft“ äußern. „Stimmen tut gar nichts.“

Der scheidende Finanzvorstand Hanns-Bert Mundorf bekräftigte indes die Prognose für das laufende Jahr, wonach die Bauleistung auf 2,8 Mrd. € sinken soll. „Unser Auftragsbestand deckt diese Leistung. Per Mai erreichen wir plangemäß die erforderlichen Leistungs- und Ergebniszahlen“, sagte er. Das operative Ergebnis solle 2004 wie angekündigt zulegen. Die Walter Bau-Aktie notierte am Nachmittag in München unverändert bei 2,56 €.

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