Baukonzerne
Bilfinger kauft erneut einen Dienstleister

Noch ist Bilfinger Berger sowohl Dienstleistungs- als auch Baukonzern. Doch die Gewichte verschieben sich immer weiter in Richtung Dienstleistungen. Das belegt auch der heutige Coup: Bilfinger übernimmt österreichische Dienstleistungsgruppe MCE.

HB FRANKFURT. Der Mannheimer Baukonzern Bilfinger Berger setzt seinen Umbau zum Dienstleister mit einem 350 Mio. Euro schweren Zukauf in Österreich fort. Bilfinger Berger übernimmt die Linzer MCE, die mit mehr als 6500 Mitarbeitern in Deutschland und Österreich Kraftwerke und andere Industrieanlagen plant, baut und wartet. „MCE passt hervorragend zu unseren vorhandenen Serviceeinheiten“, sagte Vorstandschef Herbert Bodner am Dienstag. Bilfinger kauft das Unternehmen vom Finanzinvestor DBAG, zu der MCE seit Anfang 2007 gehörte. Die DBAG erklärte, der Dienstleister könne unter dem Dach von Bilfinger mehr neue Kunden gewinnen.

Die Bilfinger-Aktionäre sollen die Übernahme mitfinanzieren und eine rund 270 Mio. Euro schwere Kapitalerhöhung um 25 Prozent zeichnen. Die neuen Aktien werden mit einem Abschlag von mehr als einem Drittel auf den Aktienkurs zu je 30,60 Euro ausgegeben. Dennoch stiegen die Papiere an der Börse um sechs Prozent auf fast 50 Euro.

Der Kauf passt in die Strategie von Vorstandschef Bodner. Er will das angestammte Baugeschäft angesichts niedriger Margen, der starken konjunkturellen Schwankungen und mehrerer Pannen bei Großprojekten drastisch eindampfen. Verstärkt setzt er dafür auf Industriedienstleistungen und die Betreuung von Gebäuden. MCE erwirtschaftete vergangenes Jahr eine Leistung von 900 Mio. Euro, Bilfinger setzte in der durch mehrere Zukäufe ausgebauten Dienstleistungssparte 4,6 Mrd. Euro um. Das Baugeschäft kam auf 6,1 Mrd. Euro Leistung, trägt aber nur noch einen kleinen Teil zum Gewinn bei.

MCE sei mit einem operativen Gewinn von 45 Mio. Euro zuletzt etwas weniger rentabel gewesen als die vergleichbare Bilfinger-Sparte, sagten Analysten. Dennoch kam die Übernahme an der Börse gut an. Bodner setze damit die angekündigte Strategie sehr konsequent um, lobte Marc Nettelbeck von der DZ Bank. Ralf Dibbern von M.M. Warburg sagte, MCE passe perfekt zu Bilfinger. Die Bilfinger-Aktionäre können vom Mittwoch an bis 20. Oktober für je vier ihrer Aktien eine neue zeichnen. Die Commerzbank, die Deutsche Bank und BNP Paribas garantieren den Erlös.

Der DBAG verhilft die Transaktion im Geschäftsjahr 2008/09 (zum 31. Januar) zu einem Gewinn. Die Deutsche Beteiligungs-AG, die 18,8 Prozent an MCE in den eigenen Büchern und den Rest über ihre Fonds hält, erwartet aus dem Verkauf einen Ertrag von 15 Mio. Euro. Nach einem Verlust von 12,4 Mio. Euro in der ersten Jahreshälfte hatte sich Vorstandschef Wilken von Hodenberg bis jetzt nicht zu einer Gewinnprognose durchgerungen. Nun legte er sich zumindest auf einen Jahresüberschuss fest. Im Juli hatte die DBAG ihren Anteil am Pumpenhersteller Lewa mit Gewinn verkauft, obwohl viele Investoren ihre Beteiligungen in der Finanzkrise nur schwer zu attraktiven Preisen loswerden. Die DBAG-Aktie legte um 2,5 Prozent zu.

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