Baukonzerne
Bilfinger wird Hausmeister

Bilfinger Berger hat seine Ergebnisprognose für 2009 gesenkt. Der Bau- und Dienstleistungskonzern leidet unter einem Rechtsstreit in Katar. Nun stehen sogar große Teile des Baugeschäftes auf dem Prüfstand.

AXEL GRANZOW. Der Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger Berger will nach unerwartet hohen Belastungen aus einem Rechtsstreit in Katar über ein Autobahnprojekt für sein Baugeschäft Konsequenzen ziehen. „Der Umfang des Baugeschäfts wird einer grundlegenden strategischen Überprüfung unterzogen“, sagte Konzernchef Herbert Bodner. Ein völliger Ausstieg aus dem Baugeschäft sei zwar nicht beabsichtigt. Allerdings dürfte das Baugeschäft künftig „sehr viel kleiner“ sein. Bodner schließt auch einen Verkauf bestimmter Teile nicht aus. Konkrete Entscheidungen gebe es aber noch nicht. Bilfinger beschäftigt insgesamt 50 000 Mitarbeiter davon knapp 18 000 in den Bausparten.

Ausbauen will Bodner den Bereich Dienstleistungen rund um Immobilien und Industrieanlagen. Ziel sei eine geringere Ergebnisbeeinflussung durch den Bau. Betroffen seien die Sparten Hoch- und Industriebau sowie Ingenieurbau. Regionen und Volumina sollen geprüft werden.

Bodner fährt das Baugeschäft nach mehreren Pannen-Projekten in Folge, wie zuletzt beim Autobahnbau im Süden Norwegens, wo ebenfalls die Kosten völlig aus dem Ruder liefen, bereits seit längerem zurück. Durch eine strenge Selektion von Aufträgen wollte er das Ergebnis im Baugeschäft verbessern. Doch dabei hat es immer wieder Rückschläge gegeben. Zuletzt ist Bilfinger im Zusammenhang mit dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs ins Gerede gekommen. Der Mannheimer Konzern führt das U-Bahnbau-Konsortium in Köln. Der U-Bahnbau wird für den Einsturz des Gebäudes, bei dem zwei Menschen ums Leben kamen, verantwortlich gemacht. Die Ermittlungen sind aber noch nicht abgeschlossen.

Branchenexperten sind ohnehin skeptisch, ob Bilfinger in der Weltliga der Ingenieurbau-Konzerne mithalten kann. Denn die Reihe der Problem-Projekte reißt nicht ab. Die größeren Konkurrenten Hochtief oder Vinci stehen jedenfalls deutlich seltener mit Problembauten in den Schlagzeilen. An der Börse büßte die Bilfinger-Aktie nach der Ankündigung kräftig ein.

2008 lag die Bauleistung von Bilfinger im Ingenieurbau bei 4,2 Mrd. Euro und im Hoch- und Industriebau bei gut zwei Mrd. Euro. Die Gesamtleistung belief sich 2008 auf 10,7 Mrd. Euro. Das operative Ergebnis von zuletzt knapp 300 Mio. Euro kommt zum größten Teil aus dem Geschäftsbereich Dienstleistungen. Damit spielt das Baugeschäft künftig wohl nur noch eine strategische Rolle. Es dient dazu, lukrative Betreiberprojekte zu gewinnen, wie etwa Mautautobahnen oder Schulgebäude.

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