Baukonzerne
Gewinneinbruch beim Zementkonzern Holcim

Die Rezession und ihre Folgen für die Baubranche haben den Gewinn des weltweit zweitgrößten Zementkonzerns Holcim im vergangenen Jahr einbrechen lassen. Das Ergebnis halbierte sich 2008 auf 1,8 Milliarden Franken.

HB ZÜRICH. Der Schweizer Zementkonzern Holcim hat den Konjunkturabschwung im abgelaufenen Geschäftsjahr 2008 deutlich zu spüren bekommen. Der Gewinn brach um mehr als die Hälfte ein. Der Umsatz ging um sieben Prozent zurück. Dabei wurde der Bausektor besonders stark in den USA, Spanien und Großbritannien getroffen, teilte der Heidelberg-Cement-Konkurrent am Mittwoch in Zürich mit. Für 2009 geht Holcim von einem „weiteren schwierigen Jahr“ aus. Der Aktienkurs brach zeitweise um rund zehn Prozent ein, bis zum Nachmittag entfernte sich der Titel etwas von dem Tief und verlor 2,18 Prozent auf 34,94 Schweizer Franken (23,6 Euro). Damit entwickelte sich die Aktie schwächer als der Markt.

Trotz staatlicher Konjunkturprogramme müsse vorerst mit einem weiteren Nachfragerückgang gerechnet werden. „Wie lange die Nachfrageschwäche andauern wird, ist ungewiss.“ Deshalb will der Zementhersteller die Kapazitäten in allen Segmenten laufend prüfen. Mit Werkschließungen und zeitweisen Stilllegungen will Holcim rund 230 Mio. Schweizer Franken sparen. Davon würden 75 Prozent bereits 2009 erfolgswirksam, sagte Unternehmenschef Markus Akermann während einer Pressekonferenz. Investitionen sollen auf ein Minimum zurückgefahren werden. Kostenmanagement und Liquidität hätten Priorität.

An einer Übernahme des deutschen Konkurrenten Heidelberg Cement sind die Schweizer momentan nicht interessiert. „Es ist kein Projekt auf dem Tisch, das wir konkret studieren“, sagte Akermann. Es sei klar, dass Heidelberg Cement „derzeit keine Zielsetzung“ sei. Seit Monaten kommen immer wieder Spekulationen am Markt hoch, wonach Holcim den deutschen Konkurrenten übernehmen wolle. Allerdings sehen viele Experten für eine Fusion beider Konzerne kartellrechtliche Probleme.

Heidelberg Cement ist mit rund zwölf Mrd. Euro verschuldet, zudem steckt der bisherige Großaktionär VEM wegen Fehlspekulation in Zahlungsschwierigkeiten. Anfang Januar hatten VEM und die rund 30 Gläubigerbanken das Firmengeflecht gerettet, aber zugleich seine Zerschlagung besiegelt.

Im abgelaufenen Jahr brach der Konzerngewinn nach Minderheiten um knapp 54 Prozent auf 1,782 Mrd. Schweizer Franken (1,2 Mrd. Euro) ein. Das betriebliche Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) fiel um 23 Prozent auf 5,333 Mrd. Franken. Der Umsatz ging um sieben Prozent auf 25,157 Mrd. Franken zurück. Damit verfehlte der Konzern die Schätzungen der Analysten. Die Dividende will das Holcim-Management von 3,30 auf 2,25 Franken je Aktie senken und in Aktien zahlen.

Auf die vereinbarte Entschädigung in Höhe von 550 Mio. US-Dollar für die Verstaatlichung der Tochter in Venezuela musste Holcim bislang warten. Nun will der Schweizer Zementkonzern die vereinbarte Entschädigung notfalls gerichtlich in den USA erstreiten. „Wir haben alles gemacht, was in unserer Macht steht, um an das Geld zu kommen.“ Holcim habe ein Abkommen mit der Regierung Venezuelas. „Wir erwarten die Erfüllung des Vertrags“, fügte er hinzu. Allerdings geht der Unternehmenschef davon aus, dass ein Prozess nicht in wenigen Wochen oder Monaten beendet wäre. Im Zuge der Verstaatlichung der Zementindustrie in Venezuela mussten neben Holcim auch die französische Lafarge und mexikanische Cemex den größten Teil ihrer Tochterfirmen an den Staat verkaufen.

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