0 Bewertungen
11.06.2008  | Aktualisiert 24.06.2008, 15:15 Uhr 

Allerdings zeigen sich 2008 erste gegenläufige Entwicklungen. Die US-Baukrise wirke sich zwar am negativsten im Wohnungsbau aus, in dem die Baukonzerne kaum tätig sind, meinte Stefan Mütze, Bauexperte von der Helaba. Mittlerweile sei aber auch eine schwächere Entwicklung im gewerblichen Bau absehbar. Auch in Europa sei die Baukonjunktur in einzelnen Ländern wie Spanien rückläufig, so dass mit dem ersten Rückgang der Auslandsaufträge seit 2002 zu rechnen sei.

Laut Keitel hat die deutsche Bauindustrie aber inzwischen mit Weltmarktführer Frankreich gleichgezogen. Für ihn ist das ein Beleg für die Leistungsfähigkeit der Branche. Die Unternehmen seien führend bei komplexen Infrastrukturvorhaben, ingenieurtechnischem Know-how und Projektmanagement. Branchenprimus ist Hochtief mit einem Umsatz von 16,5 Mrd. Euro und einem Konzerngewinn von 141 Mill. Euro, gefolgt von Bilfinger mit 8,6 Mrd. Euro Umsatz und 134 Mill. Euro Konzerngewinn. Aber auch Unternehmen wie Bauer Spezialtiefbau oder Ed. Züblin (Strabag-Gruppe) mischen im Ausland mit. Als größter Baukonzern der Welt gilt Vinci aus Frankreich mit einem Umsatz von rund 30 Mrd. Euro, gefolgt von Bouygues ebenfalls aus Frankreich. Schweden liegt dahinter mit Skanska und NCC auf Rang drei in der Welt.

Einen der größten Auslandsaufträge mit einem Volumen von knapp drei Mrd. Euro hat sich kürzlich Hochtief in Australien gesichert. Die Tochter Leighton soll eine Mautstraße zum Flughafen der Stadt Brisbane planen, finanzieren, bauen und betreiben. Das Projekt umfasst den Bau des mit fünf Kilometern längsten Straßentunnels des Kontinents. Hochtief verzeichnet wie auch Bilfinger seit Jahren rasantes Wachstum in Australien und profitiert dort unter anderem vom wachsenden Markt für Infrastrukturprojekte. Bilfinger hatte Mitte 2007 mit dem Zuschlag für den Bau eines kompletten Stadtteils für rund eine Mrd. Euro in Katar aus der Golfregion einen der größten Aufträge der Firmengeschichte erhalten.


Hochtief und Bilfinger Berger sind mittlerweile halbe Australier

Hochtief Die Essener schreiben im deutschen Baugeschäft wegen stark gestiegener Kosten für Rohstoffe und Subunternehmerleistungen Verluste. Hochtief hat inzwischen die Notbremse gezogen und will sich „ausschließlich auf renditestarke Geschäftsmodelle“ konzentrieren. Da Hochtief aber jeweils rund 85 Prozent der Bauleistung und des Auftragseingangs im Ausland erzielt, stehen unter dem Strich schwarze Zahlen. Etwa 40 Prozent der Bauleistung und des Auftragseingangs sowie der Löwenanteil des Gewinns stammen von der australischen Tochter Leighton.

Bilfinger Berger Die Mannheimer haben in Deutschland schon immer sehr vorsichtig Aufträge angenommen. Daher schreiben sie am Bau in Deutschland ein ausgeglichenes Ergebnis. Im Gegensatz zu Hochtief ist Bilfinger nicht im kriselnden US-Baugeschäft aktiv. Dennoch entfallen 80 Prozent der Bauleistung aus der Sparte Ingenieurbau und knapp 60 Prozent aus der Sparte Hoch- und Industriebau auf das Ausland. Stark ins Gewicht fällt das Engagement über Tochterunternehmen in Australien.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterKöpfe

Yangs gescheitertes Comeback  Artikel in Merkliste

Der Yahoo-Chef hat es beim zweiten Versuch an der Firmenspitze nicht geschafft. Auch Michael Dell muss kämpfen. Bleibt Steve Jobs der einzige erfolgreiche Rückkehrer? Artikel


Anzeige