Baukonzerne
Volle Auftragsbücher bei Hochtief

Die Wirtschaftskrise scheint dem größten deutschen Baukonzern Hochtief bislang nichts anzuhaben. Das Essener MDax-Unternehmen konnte vor allem Dank eines guten Asien-Geschäfts seinen Gewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast 49 Prozent auf 105 Mio. Euro steigern.

NEW YORK. Der Auftragsbestand liege mit 33 Mrd. Euro auf dem höchsten Stand der Unternehmensgeschichte, sagte Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter auf der Herbstpressekonferenz in New York. In den Büchern stünden Aufträge für die nächsten 19 Monate.

Hochtief spüre "nach wie vor keine Auswirkungen" der Finanzkrise "und sieht noch keine nachhaltigen Effekte auf sein Geschäft". So seien bislang weder Projekte abgesagt worden noch habe es Schwierigkeiten mit der Finanzierung gegeben, sagte Lütkestratkötter im neuen Gebäude 7 am World Trade Center.

In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres stieg die Zahl der Aufträge insgesamt um 22,6 Prozent auf 19,5 Mrd. Euro. Für das Gesamtjahr geht Lütkestratkötter von einer weiteren Steigerung aus, Gewinn und Umsatz würden höher ausfallen als im Vorjahr. Die Anleger zeigten sich von den Zahlen angetan: Die Hochtief-Aktie legte nach Bekanntgabe der Ergebnisse um mehr als neun Prozent auf 29,31 Euro zu und wurde zum Spitzenreiter im MDax.

Den weit größten Teil seines Geschäfts erzielte Hochtief in den vergangenen neun Monaten im Ausland. Vor allem im Asien-Pazifikraum, den die Hochtief-Tochter Leighton abdeckt, stieg die Zahl der Order um 47 Prozent auf ein Volumen von 9,6 Mrd. Euro.

Auch in den besonders von der Konjunkturkrise gebeutelten USA konnte Hochtief wachsen. Die US-Tochter Turner und der erst im vergangenen Jahr übernommene Infrastruktur-Spezialist Flatiron verzeichneten dort ein Auftragsplus von 8,7 Prozent auf 6,27 Mrd. Euro. Zu Gute kommt Hochtief, dass die US-Töchter nicht im weitgehend zum Stillstand gekommenen Wohnungsbau aktiv sind. Hoffnung setzt der Essener Konzern auf den künftigen Präsidenten Barack Obama, der hohe Investitionen in die Infrastruktur plant.

Sorgen macht Hochtief indes das Europa-Geschäft, das sich vor allem auf dem deutschen Markt abspielt. Wegen Umstrukturierungen falle in diesem Jahr ein Verlust von rund 60 Mio. Euro an, hieß es. Lütkestratkötter erwartet aber ab 2009 wieder schwarze Zahlen. "Wir sind dabei den deutschen Bau so wetterfest zu machen wie irgend möglich", sagt er. Weitere Arbeitsplätze sollten nicht abgebaut werden.

Typischerweise reagiert die Bauindustrie mit Verzögerung auf Konjunkturkrisen, da die bereits laufenden Projekte noch abgeschlossen werden. Deshalb habe sich Hochtief nach den Worten Lütkestratkötters vorbereitet, sollte die Finanzkrise länger anhalten sollte: So habe man die Liqiuditätsreserven erhöht und prüfe neue Aufträge besonders kritisch. "Ich bin immer noch zuversichtlich", sagte Lütkestratkötter. Die Banken müssten jedoch die staatlichen Hilfspakete nutzen und wieder mehr Kredite vergeben.

Nils Rüdel
Nils Rüdel
Handelsblatt / Deskchef Politik
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