Baustoffhersteller
Mega-Platzierung soll Heidelcement stärken

Der Baustoffhersteller Heidelberg Cement versucht, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Parallel zur geplanten Kapitalerhöhung will er umfangreiche Aktienpakete aus dem Bestand des bisherigen Mehrheitseigners, der Merckle-Gruppe, bei institutionellen Investoren platzieren und damit seine Aktionärsstruktur grundlegend neu ordnen.

FRANKFURT, Bestätigen sich die Hoffnungen der Koordinatoren Deutsche Bank und Morgan Stanley, könnte Heidelcement im Zuge der Transaktion mehr als zwei Mrd. Euro an frischem Eigenkapital hereinholen. Das Geld könnte das Unternehmen nutzen, um seine Verschuldung abzubauen. Kreditanalysten haben die Pläne vor diesem Hintergrund durchweg begrüßt, auch wenn sie noch erhebliche Unsicherheiten hinsichtlich des möglichen Emissionspreises sehen.

„Das ist auf jeden Fall ein positiver Schritt für den Konzern. Eine Herausforderung wird jedoch noch darin bestehen, das Fälligkeitsprofil der verbleibenden Schulden zu verbessern“, meint Kreditanalyst Matthias Hellstern von Moody'. Jochen Schlachter, Anleiheexperte bei Unicredit, geht davon aus, dass sich Heidelcement mit dem Manöver Spielraum für nachfolgende Bond-Emissionen verschafft.

Das Gesamtvolumen der Emission, einschließlich der zum Verkauf stehenden Anteile der Altaktionäre, wird in Bankenkreisen auf bis zu fünf Mrd. Euro geschätzt. Der Befreiungsschlag des hoch verschuldeten Baustoff-Konzerns läuft damit möglicherweise auf die größte Aktienplatzierung seit dem Börsengang von Infineon im Jahr 2000 hinaus.

Der Heidelberger Konzern folgt mit den Plänen dem Vorbild anderer großer Baustoffkonzerne, die in den vergangenen Monaten ihre angespannten Bilanzrelationen fast durchweg mit größeren Kapitalerhöhungen aufgebessert haben. Zeitgleich mit Heidelcement kündigte gestern die österreichische Wienerberger-Gruppe eine Emission im Umfang von 336 Mio Euro an.

Heidelberg Cement plant konkret die Ausgabe von 62,5 Mio neuen Aktien und die Platzierung von weiteren bis zu 62,5 Mio Aktien aus dem Bestand von Merckle und Banken. Kann tatsächlich das komplette Volumen platziert werden, reduziert sich der Anteil des bisherigen Mehrheitseigners Merckle auf weniger als 20 Prozent, während der Free Float auf mehr als 80 Prozent steigt. Der vor wenigen Monaten noch insolvenzgefährdete Baustoffkonzern könnte damit zum Kandidaten für den Aufstieg in den Dax-30 werden.

Die Ulmer Unternehmensgruppe Merckle, die ebenfalls hoch verschuldet ist, hält bisher noch gut 72 Prozent an Heidelcement, wobei jedoch ein Großteil der Anteile an kreditgebende Banken verpfändet ist. Rund 6,4 Prozent Heidelcement-Kapitals hält nach letzten Angaben Unicredit.

Der Ausgabekurs für die neuen Aktien soll dem Preis entsprechen, den man bis zum 22. September im Rahmen eines Bookbuildings für die zum Verkauf stehenden Anteile der Altaktionäre erzielt. Während viele Analysten den fairen Preis für die Heidelcement-Aktie eher bei Werten um die 30 Euro je Aktie sehen, hofft man in Kreisen der Konsortialbanken, den Preisabschlag auf fünf bis sechs Prozent gegenüber dem aktuellen Kurs von rund 41 Euro zu beschränken. Angesichts der Größe der Emission und im Vergleich zu anderen Kapitalerhöhungen im Baustoffsektor wäre das ein sehr geringer Abschlag (siehe Tabelle). Die Aktie des Baustoffkonzerns gab gestern trotz der Kapitalerhöhungspläne lediglich um gut vier Prozent nach. Ein Emissions-Preis auf dem Niveau des aktuellen Börsenkurses könnte bis zu 2,4 Mrd. Euro in die Kassen des Konzerns spülen.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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