Baustoffindustrie
Wienerberger steckt trotz Ergebnisrückgang nicht zurück

Der österreichische Baustoffkonzern Wienerberger hat im ersten Halbjahr zwar einen Rekordumsatz erzielt, beim Ergebnis aber einen Rückgang hinnehmen müssen. Damit hat das Unternehmen die Erwartungen von Analysten nicht erfüllt. Der Baustoffkonzern leidet unter hohen Kosten, will aber im zweiten Halbjahr aufholen.

WIEN. Die Aktie gab am gestrigen Dienstag an der Wiener Börse nach. Der Konzernumsatz stieg um zehn Prozent auf rund eine Mrd. Euro, wozu ein höherer Absatz sowie höherer Preise beigetragen haben. Steigende Energiepreise, ein langer Winter, der die Bautätigkeit verzögerte, sowie der Abbau von Lagerbeständen und die Integration zugekaufter Betriebe belasteten allerdings das Ergebnis. Die Summe, die nach Abzug der Steuern im ersten Halbjahr übrig blieb, sank um neun Prozent auf rund 81 Mill. Euro.

Analysten wie Reinhard Ebenauer von der Raiffeisen Centralbank hatten im Vorfeld mit einer ähnlichen Entwicklung gerechnet, waren jedoch davon ausgegangen, dass Preissteigerungen die höheren Energiekosten ausgleichen können. Laut Konzernangaben wird dieser Effekt im zweiten Halbjahr auch einsetzen. „Wir haben zehn neue Werke in Betrieb genommen. Die Anlauf- und Integrationskosten in Produktion, Verwaltung und Vertrieb haben vorübergehend die Ergebnisentwicklung beeinflusst“, sagte Konzernchef Wolfgang Reithofer. Er hält deswegen an seinem jetzt sehr ambitioniert klingenden Ziel von einem Wachstum von zehn Prozent beim Ergebnis für das Gesamtjahr fest. Reithofer kündigte eine weitere Steigerung der Verkaufspreise an.

Wienerberger schlägt sich nicht das erste Mal mit sinkenden Ergebnissen bei steigenden Umsätzen herum. Hohe Energiekosten in einem Geschäft, das nur mit hohem Energieaufwand zu betreiben ist, haben bereits im vergangenen Jahr Spuren in der Bilanz der Österreicher hinterlassen. Die Vorteile globaler Produktion kann Wienerberger wegen der hohen Transportkosten der schweren Ziegel nicht nutzen. Konzernchef Reithofer will dennoch nicht sein angestammtes Terrain verlassen, wie er jüngst im Handelsblatt erklärte. Das Unternehmen bleibe „bei Dach und Wand“. Reithofer glaube fest an den Baustoff Ziegel, auch wenn Holz und Fertigteile derzeit Marktanteile gewinnen. Allerdings setzt er auf Akquisitionen.

Wienerberger ist die weltweite Nummer eins auf dem Ziegel-Markt. In Europa kommt das Unternehmen auf etwa 25 Prozent Marktanteil. Der Rest der Branche ist zersplittert. Ob er Interesse an der zum Verkauf stehenden Dachsparte des französischen Baustoffkonzerns Lafarge habe, wollte Reithofer am Dienstag nicht kommentieren. Im Juni war Wienerberger mit der Übernahme der Robinson Brick Company (RBC) ein wichtiger Expansionsschritt in den USA gelungen, den der Konzernchef als „ideale geografische Ergänzung“ bezeichnet. Ein Übernahmeangebot der Österreicher für das börsennotierte Unternehmen Baggeridge Brick in Großbritannien liegt ebenfalls auf dem Tisch.

Dafür, dass es sich Reithofer und sein Team in ihrer nach wie vor unangefochtenen Position nicht allzu gemütlich machen, sorgt neuerdings die Capital Research and Management Company mit Sitz in Los Angeles. Sie ist in diesem Monat mit einem Anteil von mehr als fünf Prozent der Aktien zum Großaktionär bei Wienerberger aufgestiegen und gilt nicht als besonders geduldiger Aktionär. Nachdem die Bank Austria Creditanstalt im Februar 2004 ihre gesamten Anteile verkauft hat, ist Wienerberger zu einer reinen Publikumsgesellschaft ohne strategischen Kernaktionär geworden und könnte damit verhältnismäßig einfach selbst übernommen werden.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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