Baustoffkonzern Sika
Saint-Gobain beharrt auf Übernahme

Trotz des Widerstands seines Konkurrenten Sika will der französische Baustoffkonzern Saint-Gobain das Schweizer Unternehmen übernehmen. Die Kartellbehörde hat bereits grünes Licht gegeben.

ZürichDer französische Baustoffkonzern Saint-Gobain beharrt trotz des Widerstands der Sika-Spitze auf einer Übernahme des Schweizer Konkurrenten. Saint-Gobain habe grünes Licht der Kartellbehörden für den Zukauf und sei „fest entschlossen“ diesen umzusetzen, erklärte das Unternehmen am Montag.

Damit reagieren die Franzosen auf einen offenen Brief von Sika-Präsident Paul Hälg von vergangener Woche. Darin hatte er erklärt, die Übernahme sei für beide Firmen wertvernichtend. Die Synergien seien viel geringer als vom Saint-Gobain-Management in Aussicht gestellt.

Hintergrund ist ein seit langem tobender Streit um die Vorherrschaft bei Sika: Saint-Gobain hatte vor einem Jahr angekündigt, das Aktienpaket der Sika-Gründerfamilie Burkard für 2,75 Milliarden Franken zu kaufen. Die Burkards haben zwar nur einen Kapitalanteil von 16 Prozent, aber einen Stimmenanteil von 52 Prozent. Damit können sie den Verwaltungsrat mit eigenen Vertretern besetzen und so mit einem vergleichsweise geringen Kapitaleinsatz die Kontrolle über Sika übernehmen.

Während die Burkards einen Aufschlag von 80 Prozent zum damaligen Aktienkurs erhalten, sollen die übrigen Aktionäre leer ausgehen. Viele Aktionäre wie eine Stiftung von Microsoft -Gründer Bill Gates stellen sich zusammen mit der Sika-Spitze und nachgeordneten Managern gegen den Deal.

Im Interview mit der „Schweiz am Sonntag“ verteidigte Urs Burkard das Vorgehen der Familie: „Wir haben nichts gemacht, was widerrechtlich oder anstössig wäre. Die Familie hat sich einfach entschieden, sich von der Firma zu trennen, was offensichtlich noch schwieriger ist, als jede Ehescheidung“, sagte er. Eine Kompromisslösung sei für ihn kein Thema.

Die Entscheidung dürfte letztlich vor Gericht fallen. Die Sika-Gründerfamilie Burkard hatte die Beschlüsse der vergangenen Generalversammlungen angefochten. Dort wollte die Gründerfamilie Verwaltungsräte auswechseln, um die Mehrheit in dem Gremium zu übernehmen und somit den Weg für die Übernahme durch Saint-Gobain frei machen.

Die Aktionäre stimmten jedoch gegen eine Neubesetzung des Verwaltungsrates. Die Ablehnung kam allerdings nur zustande, weil Sika die Stimmrechte der Familie eingeschränkt hatte.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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