Bauunternehmen
Heitkamp vor dem Aus

Nach der Insolvenz der Walter Bau vor gut einem Jahr droht der Baubranche die nächste große Pleite. Branchenkenner gehen davon aus, dass die komplette Herner Heitkamp-Deilmann-Haniel voraussichtlich noch in diesem Monat Insolvenz anmelden muss. Dabei sind Teile des Unternehmens gerade erst saniert worden.

DORTMUND. Für die Bergbausparte sieht selbst die Unternehmensführung kaum noch Chancen: „Der Auftragseingang der Bergbautochter Deilmann Haniel tendiert gegen null. Dies wird Ende des Monats in der Insolvenzantragspflicht enden“, befürchtet HDH-Geschäftsführer Jochen Rölfs. Ohne Aufträge des einzigen Auftraggebers Deutsche Steinkohle AG (DSK) könne das Unternehmen nicht überleben. Wegen der engen Verbindung von Bau und Bergbau droht damit nach Auffassung von Experten aus der Branche der gesamte Konzern ins Wanken zu geraten, obwohl die Sanierung der Bausparte laut Rölfs weitgehend abgeschlossen ist.

Die DSK, eine Tochter der Essener RAG, fährt wegen der von Bund und Ländern geplanten Kürzungen der Steinkohlebeihilfen das Geschäft stark zurück. Zechen werden geschlossen, die Förderung wird reduziert, und Mitarbeiter werden abgebaut. DSK-Chef Bernd Tönjes will das Einkaufsvolumen von rund zwei Mrd. Euro bis 2012 halbieren. Bei den 1 200 Zulieferern seien 20 000 Arbeitsplätze bedroht, so Tönjes vor dem Düsseldorfer Landtag. HDH sei dabei mit 1 500 Mitarbeitern in der Bergbausparte nur die „Spitze des Eisbergs“. Konkurrent Thyssen Schachtbau zählt 800 Mitarbeiter. Es müsse allen Beteiligten klar sein, dass eine Reduzierung der Beihilfen gravierende Folgen habe, sagt Tönjes.

Deilmann-Haniel wird offenbar nicht mehr gebraucht. Zumal Rölfs selbst sagt, dass das Unternehmen nicht wettbewerbsfähig sei. Das Unternehmen habe keine Chance gegen Bauunternehmen, die osteuropäische Subunternehmen im Bergbau einsetzten. Hohe Bergbautarife und Zusatzaufgaben aus dem Bergbau belasten zusätzlich. So sei HDH verpflichtet, 14 000 Pensionäre zu finanzieren.

Dass die Bausparte in den Strudel einer drohenden Teilinsolvenz gerissen werden könnte, schließt Rölfs zwar nicht aus. Grund: Die Lieferanten könnten nervös werden und abspringen. Doch er verlässt sich auf die Banken, die hinter Heitkamp stünden. Branchenkenner haben aber Zweifel an der Zuversicht des HDH-Chefs. Denn es gebe noch weitere Gründe für eine drohende Gesamtinsolvenz. Heitkamp hat zum Beispiel die Pensionskasse der Bergbautochter für die Sanierung des Baus eingesetzt, wie Rölfs bestätigte. Gesichert sei die Forderung der Deilmann-Haniel gegen den Konzern durch Aktiva der Gruppe. Dabei geht es um 70 Mill. Euro. Daneben bestehe auch ein Ergebnisabführungsvertrag. Dadurch könnte auch die Bausparte mit in die Insolvenz gerissen werden. Außerdem hat die RAG noch eine Forderung von 7,5 Mill. Euro offen, wie ein Sprecher des Essener Mischkonzerns bestätigte.

Seite 1:

Heitkamp vor dem Aus

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%