Bayer, BASF, Evonik
Kontrastprogramm in der Chemie

Die europäischen Chemiekonzerne schneiden derzeit besser ab als von vielen erwartet. Doch beim Blick auf 2017 bleiben Manager und Analysten vorsichtig. Einige günstige Effekte werden sich kaum wiederholen.
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FrankfurtDer Blick auf die europäische Chemiebranche bietet in diesen Tagen ungewöhnliche Kontraste: Statistiker und Verbände zeichnen ein eher trübes Bild. Das Geschäftsklima zeige keine wesentliche Verbesserung, heißt es etwa im jüngsten Trendreport des europäischen Chemieverbandes Cefic. Rückläufige Preise und Produktionsmengen drückten die Erlöse. Der deutsche Branchenverband VCI sieht die Branche mehr oder weniger in einer Stagnationsphase. „Das Chemiegeschäft bleibt schwach“, betitelte der VCI seinen jüngsten Quartalsreport

In weitaus freundlicheren Farben kommen dagegen die Zwischenberichte der führenden börsennotierten Chemiekonzerne daher, wie ein Überblick über die jüngste Berichtssaison zeigt. Zwar sind die Erlöse durchweg geschrumpft, die große Mehrzahl der Firmen verbucht dabei aber steigende Erträge.

In der Summe legten die operativen Gewinne der führenden zehn Chemiekonzerne Europas nach Berechnung des Handelsblatts in den ersten neuen Monaten immerhin um fünf Prozent zu, während die Umsätze um den gleichen Prozentsatz schrumpften. Die durchschnittliche Ebit-Marge der Großkonzerne verbesserte sich damit um gut einen Punkt auf knapp 12 Prozent. Die Branche steuert damit auf insgesamt relativ solide Geschäftsabschlüsse im Jahr 2016 zu, auch wenn sich das Tempo im Schlussquartal wohl etwas abschwächt.

Spitzenperformer unter den großen Chemiefirmen ist bisher französische Konzern Arkema mit rund 40 Prozent Ertragsplus in den ersten neun Monaten 2016. Sehr kräftige Ertragssteigerungen zeigten ferner die beiden Bayer-Sprösslinge Covestro und Lanxess. Der 2015 aus dem Bayer-Konzern ausgegliederte Kunststoffhersteller Covestro konnte in den ersten neun Monaten den bereinigten Betriebsgewinn (Ebit) immerhin um rund ein Viertel und das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (Ebitda) um 17 Prozent steigern. Er steuert in seinem ersten Jahr an der Börse nun auf einen Rekordgewinn zu.

Der Spezialchemiekonzern Lanxess, den Bayer bereits vor elf Jahren in die Eigenständigkeit entließ, überraschte unterdessen mit 15 Prozent Ebit-Steigerung und hat seine Prognose für das Gesamtjahr abermals angehoben. Die Krise im operativen Geschäft, die Lanxess vor drei Jahren heftig zurück warf, hat Firmenchef Matthias Zachert damit endgültig überwunden.

Branchenführer BASF weist insgesamt zwar insgesamt einen operativen Gewinnrückgang um rund ein Zehntel aus. Verantwortlich dafür ist aber in erster Linie der starke Einbruch im Öl- und Gas-Geschäft. Die Chemiesparten des Ludwigshafener Konzerns steigerten ihre Erträge in der Summe dagegen noch um rund sieben Prozent – bei acht Prozent Umsatzrückgang.

Einzige Verlierer unter den Top-10 sind die Spezialchemiehersteller Wacker und Evonik, mit 35 und 18 Prozent Rückgang beim operativen Gewinn. Sie wurden dabei allerdings zum Teil von Sondereffekten getroffen, Wacker hatte im Vorjahr hohe Schadensersatzleistungen vereinnahmt, Evonik profitierte 2015 von einer Sonderkonjunktur im Geschäft mit Aminosäuren, die im laufenden Jahr wieder abflachte.

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