Bayer-Firmenjubiläum
Merkel kämpft um Strompreisrabatt für Industrie

Beim Festakt zum 150-jährigen Bestehen des Bayer-Konzerns macht Gastrednerin Angela Merkel dem Unternehmen viel Freude. Sie kündigt an, den Strompreisrabatt für Industriefirmen gegen Kritik aus Brüssel zu verteidigen.
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KölnBundeskanzlerin Angela Merkel hat Überlegungen innerhalb der EU-Kommission den Kampf angesagt, die Ausnahmeregelungen für energieintensive Unternehmen in Deutschland zu kippen. Die Bundesregierung werde sich in der Europäischen Union entschieden für die Ausnahmeregelungen für Energiegroßverbraucher einsetzen, sagte Merkel am Dienstag in Köln bei einer Veranstaltung zum 150-jährigen Jubiläum des Bayer-Konzerns. Energiepreise, die die Unternehmen auch bezahlen könnten, seien eine Voraussetzung für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie.

„Ohne die Sonderregelung für energieintensive Unternehmen könnten wir am Standort Deutschland nicht wettbewerbsfähig produzieren“, hatte ein Sprecher von Bayer Material Science, der Chemie- und Kunststoffsparte des Leverkusener Konzerns, Anfang der Woche Handelsblatt Online gesagt. Im Jahr 2011 machten die Energiekosten 62 Prozent der gesamten Kosten für den Konzern aus.

Die EU-Kommission will einem Sprecher zufolge im Herbst über die Rechtmäßigkeit der deutschen Regelungen bei der Ökostromförderung entscheiden. Vor September werde es keinen Beschluss über ein Verfahren wegen illegaler Staatsbeihilfen durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geben, hatte ein Kommissionssprecher gesagt. Ökostrom wird in Deutschland über eine Umlage von den Verbrauchern bezahlt. Um die weltweite Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu bewahren, hat die Regierung jedoch Großstromverbraucher davon weitgehend befreit.

Bayer-Chef Marijn Dekkers will auch künftig vor allem auf Innovationen setzen, um sich im weltweiten Wettbewerb der Chemie- und Pharmabranche durchzusetzen. Die „besten Ideen“ seien „unsere Chance für die Zukunft“, betonte er. Bayer müsse dabei „schneller und besser sein als die Konkurrenz“, der Konzern dürfe sich nicht auf den Erfolgen der Vergangenheit ausruhen, unterstrich er. Im Gegenteil: Bayer müsse „in den kommenden Jahren noch einen Zahn zulegen“.

Dekkers hatte für das Jubiläumsjahr 2013 bereits neue Höchstmarken in Aussicht gestellt: „Wir erwarten für 2013 und darüber hinaus eine Fortsetzung des Rekordkurses“, hatte er zu Jahresbeginn angekündigt. Für das laufende Jahr hatte Dekkers einen Umsatzanstieg von vier bis fünf Prozent auf rund 41 Milliarden Euro in Aussicht gestellt - Währungseinflüsse sowie Zu- und Verkäufe herausgerechnet. Seinen bereinigten operativen Gewinn (Ebitda) will Bayer im mittleren einstelligen Prozentbereich erhöhen.

Bayer war am 1. August 1863 im heutigen Wuppertal-Barmen gegründet worden. Der Konzern habe „über Jahrzehnte Geschichte geschrieben“, sagte Dekkers. Bei dem Festakt wurde auch Kanzlerin Angela Merkel erwartet.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Umweltministerin Merkel sagte 1997 in einem Interview "Energie ist heute zu billig" und schlug vor, Energiesteuern allein zum Zweck der Verteuerung anzuheben. Man muß sehr naiv sein zu glauben daß die Stromverteuerung reiner "Zufall" war und von niemandem vorhergesagt wurde. Das ist Teil einer grünen Agenda, die nichts so sehr verabscheut wie Wohlstand und Energie.

  • Irgendwie schon wieder lustig. Die zweite Dame im Staate will nun um den Strompreisrabatt für die deutsche Industrie gegen angedeutete Schritte der EU Administration gegen diese Rabattverfügung kämpfen, fast so wie der Kampf an allen Fronten wenn man die Jahres- und aktuellen Tagesthemen so betrachtet.
    Das kann man sicher für richtig halten doch es stellt
    sich mir als Unkundigen die Frage: Hätte man als zielgerichtet handelnde Kanzlerin mit ihren kompetenten Regierungsteam diese sich nun anbahnende Entwicklung seitens der EU nicht bereits bei entsprechenden Entscheidungen während des Verfahrens zur alternativlosen Energiewende mit in Betracht ziehen müssen / können ?
    Wo waren die Berater, Energie- EU Experten an ihrer Seite
    die auf die sich nun anbahnende Einwände der EU beizeiten
    hätten hinweisen können ? Nun, wir werden sehen wie es weiter geht und als kleine deutsche Bürger natürlich mitmachen müssen, mitzahlen für einen guten Zweck, alternativlos versteht sich. Vielleicht kümmert es die EU
    auch einmal zu untersuchen ob eine an Wucher grenzende prozentuale Steigerung der EEG Zwangsumlage während eines rel. kurzen Zeitraum von etwa 4 Jahren um etwa 300 % für uns deutsche Kleinverbraucher alternativlos rechtens ist.

  • Die ganze EEG-Geschichte ist, wie der grüne Punkt, eine Riesenlüge. Die Energielobby mußte nach der Abschaltung von acht AKW´s einen riesen Verlust hinnehmen, weil diese nach Abschreibung jede Menge Gewinn eingefahren haben. Das tun sie jetzt nicht mehr, aber die Energieversorger brauchen dafür logischerweise einen Ausgleich, nämlich die EEG-Umlage.

    Und dann kann mir mal jemand erklären, warum sogar Golfclub´s von der Umlage befreit wurden. Es sind mittlerweile fast 2.500 Unternehmen, die diese Befreiung beantragt haben, und die arbeiten mit Sicherheit nicht alle im Energie-intensiven Bereich. Da sind jede Menge Schlitzohren auf diesen Zug aufgesprungen und unsere Regierung hat wieder mal den Überblick verloren. Bezahlen müssen das die kleinen Betriebe und die privaten Verbraucher. Und zwar doppelt, erst über die EEG-Umlage und dann auch noch für die fertigen Produkte von den produzierenden Unternehmen. Und dann wundern die sich noch über die fehlende Kauflust ! Unsere Regierung versucht, einen Brand zu löschen und zündet mit falschen Entscheidungen gleichzeitig vier neue an. Und dabei kriegen die kein Bein mehr auf die Erde. Vor Dummheit.

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