Bayer-Hauptversammlung
Nach dem Fest kommt der Umbau

Bayer ist Deutschlands wertvollstes Unternehmen. Dafür feiern die Aktionäre Konzernchef Marijn Dekkers auf der Hauptversammlung. Doch der Konzernumbau beginnt erst – eine Bewährungsprobe für seine möglichen Nachfolger.
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KölnMarc Tüngler wirkte ein wenig wehmütig, als er vom Rednerpult auf der Bayer-Hauptversammlung zu Konzernchef Marijn Dekkers hinüberblickte. „Es ist zwar viel zu früh, um Abschied zu nehmen“, rief der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DWS). „Aber wir sind traurig, dass Sie Ende nächsten Jahres gehen.“

Damit hat der Aktionärsvertreter wohl den meisten der 2500 Anteilseigner aus der Seele gesprochen, die am Mittwoch zur Bayer-Hauptversammlung nach Köln gekommen waren. Zu kritisieren hatten sie wenig – zumindest was das operative Geschäft und die Kursentwicklung betrifft.

Im Gegenteil: Dekkers hat Bayer zu Deutschlands wertvollstem Unternehmen gemacht. „Lanxess, Lufthansa, RWE, Commerzbank…“, so zählte Aktionärsvertreter Tüngler Dax-Unternehmen auf, deren addierter Wert noch immer unter den 111 Milliarden Euro liegt, die Bayer derzeit an der Börse zusammenbringt. Rund ein Drittel von Deutschlands führendem Aktienindex entfallen auf den Leverkusener Konzern. 147 Prozent betrug der Kurzuwachs binnen drei Jahren – ein Fest für die Aktionäre.

Doch Erfolg schürt bekanntlich auch Ängste – bei den Bayer-Aktionären ist es die Frage, ob der Konzern den Höhenflug beibehalten kann. „Über mögliche Kursrückgänge wollen wir gar nicht erst reden“, so drückte dies Joachim Kregel von der Schutzgemeinschaft für Kleinanleger (SDK) aus.

Dekkers, der gefeierte Vorstandsvorsitzende, wird den Konzern Ende 2016 verlassen, er wird seinen Lebensmittelpunkt dann in die USA verlegen.

Jetzt setzt er zum Endspurt seiner Arbeit als Bayer-Chef an. Denn der tiefgreifende Umbau von Bayer hat erst begonnen. Die nächsten Monate werden auch eine Bewährungsprobe für seine möglichen Nachfolger: Als Favorit gilt Vorstandmitglied Werner Baumann, aber auch Vorstand Kemal Malik hätte nach Meinung vieler Bayer-Manager das Zeug zum Vorstandschef.

Der 52-jährige Baumann gilt intern als Favorit des Aufsichtsratschefs Werner Wenning. Dass er auf die Nachfolge Dekkers vorbereitet wird, zeigt sich schon an den ihm übertragenen Zuständigkeiten: Im Holdingvorstand verantwortet er Strategie und M&A. Zugleich hat er den Chefposten von Bayer Healthcare übernommen – dem wichtigsten Teilkonzern der Leverkusener. Dekkers wird in enger Abstimmung mit Baumann die nächsten beiden großen Projekte vorantreiben.

Da ist zum einen die Trennung von Bayer Material Science: Die Kunststoffsparte wird zum 1. September 2015 aus dem Konzern herausgelöst und ein komplett eigenständiges Unternehmen sein. Im ersten Halbjahr 2016 soll BMS an Börse gebracht werden. Ob es einen Spin-off an die bestehenden Bayer-Aktionäre geben wird oder einen echten Börsengang, ist noch nicht entschieden.

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