Bayer
Schmerzhafte Evolution in Leverkusen

Die Bayer-Belegschaft ist wütend über die Sparpläne ihres neuen Chefs Marijn Dekkers. In den kommenden zwei Jahren sollen die Kosten um 800 Millionen Euro gesenkt werden. Ein Vergleich mit der Konkurrenz aber zeigt: Das Sparpaket des Niederländers ist bitter nötig.
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FRANKFURT. Zwei Botschaften hatte Marijn Dekkers parat, bevor er Anfang Oktober die Führung der Bayer AG übernahm: Er setze auf Evolution statt Revolution und plane vorerst keine fundamentalen Veränderungen. Aber er sagte auch: "Ich möchte dem Konzern eine schlankere Struktur geben." Sein Ziel: Mehr Innovation, weniger Verwaltung.

Neun Monate lang hatte der Niederländer zuvor als reguläres Vorstandsmitglied die Welt unterm Bayer-Kreuz studiert. Dass die Grenze zwischen Evolution und Revolution am Niederrhein anders definiert wird als bei US-Konzernen wie GE oder Thermo Fisher, lernte er erst vor wenigen Tagen.

Mitte November kündigte er den Abbau von 4 500 Stellen an - davon 1 700 in Deutschland -, um die Ressourcen stärker auf Innovation und Wachstum in Schwellenländern zu konzentrieren. Mitarbeiter, Betriebsräte und auch einige Politiker fühlten sich überrumpelt. Gewerkschafter geißelten die Pläne als inakzeptabel.

Um die Gemüter zu beruhigen, unterzeichneten Dekkers und sein Arbeitsdirektor Richard Pott vier Tage später eine gemeinsame Erklärung mit Betriebsratschef Thomas de Win. Darin wird die Zahl von 4 500 Stellen nicht mehr explizit genannt. Stattdessen ist die Rede von gemeinsamen intensiven Beratungen über Notwendigkeit, Umfang und Umsetzung der Veränderungen. Natürlich werde man sich an die Betriebsvereinbarung halten, die bis Ende 2012 betriebsbedingte Kündigungen ausschließt.

Doch klar ist: Es wird eine schmerzhafte Evolution. Am Ziel, in den kommenden zwei Jahren die Kosten um 800 Millionen Euro zu senken, hält Dekkers fest, heiß es in Firmenkreisen. Er hat allen Grund dazu: Denn der Druck auf Bayer hat sich in den vergangenen Monaten erhöht. Zwar kann sich der Konzern im Vergleich zu den meisten deutschen Industriekonzernen sehen lassen. Doch der Vergleich der Sparten mit führenden Anbietern aus der jeweiligen Branche zeigt: Bayers-Teilkonzerne liefern nur unterdurchschnittliche Erträge ab.

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