Bayer und BASF im Rennen um Monsanto
Wer gewinnt den 52-Milliarden-Euro-Poker?

Die Agrarchemiebranche ist in Aufruhr: Angeblich prüfen sowohl Bayer als auch BASF Kaufangebote für den US-Konkurrenten Monsanto. Die Bayer-Aktie verliert daraufhin mehr als fünf Prozent und zieht den Dax herunter.
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FrankfurtNeuer Monat, neue Spekulationen. Das ist der Rhythmus, nach dem derzeit die Gerüchte in der Agrochemie-Branche hochkochen. Die jüngste Variante besagt, dass nun Bayer über ein Gebot für den amerikanischen Saatgutriesen Monsanto nachdenkt. Bayer habe intern wie auch mit Beratern die Möglichkeiten für einen solchen Schritt ausgelotet, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstag ohne konkrete Quellen zu nennen.

Einen Tag zuvor spekulierte die US-Webseite Streetinsider darüber, dass BASF eine Offerte vorbereite. Die beteiligten Unternehmen wollten die Meldungen nicht kommentieren. Dessen ungeachtet reagierte der Kapitalmarkt relativ heftig: Die Monsanto-Aktie stieg nach der Meldung im vorbörslichen US-Handel um 16 Prozent. Bei Bayer wurde an der Börse in Frankfurt kurzzeitig der Handel unterbrochen, danach bauten die Aktien ihre Kursverluste aus. Das Bayer-Papier verlor bis zum Handelsschluss mehr als fünf Prozent. Dadurch rutschte in der Folge auch der Dax stark ab – der Index markierte wieder deutlich unter der Marke von 10.000 Punkten.

Monsanto wurde zuletzt mit knapp 40 Milliarden Dollar bewertet. Im Falle eines Übernahme-Versuchs müsste ein Käufer aber wohl mindestens 55 bis 60 Milliarden Dollar (rund 52 Milliarden Euro) aufbringen.
Das US-Unternehmen mit zuletzt rund 15 Milliarden Dollar Umsatz ist dank seiner umfangreichen Gentechnik-Forschung der weltweit führende Produzent von Saatgut, es ist im Pflanzenschutzgeschäft dagegen nur mit einem Produkt, dem weit verbreiteten, aber auch umstrittenen Herbizid Glyphosat, vertreten. Wie alle Agrochemieanbieter wird auch Monsanto derzeit von einer schwachen Konjunktur auf den Agrarmärkten gebremst. Für 2016 zeichnet sich ein Umsatz- und Gewinnrückgang ab.

Nicht nur diese Flaute, sondern vor allem die wachsenden Anforderungen an die Produktentwicklung treiben den Konsolidierungstrend. Dabei ist die Branche ohnehin bereits stark konzentriert, mit nur noch sechs großen, global tätigen Anbietern.

Den konkreten Anstoß für die jüngste Übernahmewelle gab Monsanto selbst im vergangenen Sommer mit dem vergeblichen Versuch, die Schweizer Syngenta zu übernehmen. Anfang Dezember einigten sich die US-Chemieriesen Dow Chemical und Dupont auf eine Fusion unter Gleichen, unter anderem mit dem Ziel, einen neuen Marktführer im Agrochemiegeschäft zu schaffen. Wenige Wochen später willigte Syngenta in eine Übernahme durch den chinesischen Chemiekonzern Chemchina für rund 43 Milliarden Dollar ein.

Seither spekulieren Branchenkenner heftig darüber, das nun auch Bayer und BASF im Konsolidierungswettlauf nachziehen müssten. Und zumindest der Chemieriese BASF hat indirekt auch bereits signalisiert, dass er grundsätzlich bereit – wäre auch für größere Zukäufe im Agrobereich.

Nach Branchen-Informationen bemühte sich der Ludwigshafener Konzern ebenfalls um einen Deal mit Syngenta, wurde dort aber von Chemchina übertrumpft. Gleichzeitig bekräftigte BASF-Chef Kurt Bock aber auch wiederholt, dass man nicht bereit sei, überzogene Preise für Zukäufe zu zahlen. „Wir schauen uns viele Dinge an, aber wir rechnen eben auch sehr spitz“, sagte er im Interview mit dem Handelsblatt.

Nach dem Zusammenschluss von Dow und Dupont ist BASF mit umgerechnet 6,5 Milliarden Dollar Umsatz der mit Abstand kleinste unter den dann noch fünf führenden Agrochemie-Akteuren. Aus Sicht von BASF-Chef Bock resultiert daraus aber kein Wettbewerbsnachteil. „Man braucht sicher eine Mindestgröße in dem Bereich. Die haben wir aber auf jeden Fall“, argumentiert er. Das BASF-Pflanzenschutzgeschäft sei eines der besten der Branche mit blick auf Ertragskraft, Wachstum und Innovationspipeline.

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Finanzieller Kraftakt von bisher unbekannter Dimension

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  • Viele Bewohner der sog. "entwickelten" Länder dürften von dem, um das es in folgenden Beiträgen (bei denen es um Monsanto geht) wenig oder gar nichts mitgekriegt haben, einfach weil die darin wiedergegebene Lebensrealität so unvorstellbar weit weg von ihrer eigenen Lebensrealität ist(*):

    http://www.aljazeera.com/indepth/opinion/2013/03/201332813553729250.html

    http://issues.org/30-2/keith/

    http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/videos/indien-selbstmord-serie-unter-baumwollbauern-100.html

    *PS: Um ein einigermaßen vollständiges Bild über dieses wichtige Thema erhalten zu können, wäre es sinnvoll, mal diese – sehr kontroverse Positionen vertretenden – Artikel (englisch), zumindest aber das „Weltspiegel“-Video dazu anzusehen). Da, wie die meisten von uns schon gemerkt haben, unsere Erde immer "kleiner" wird - sprich: die wechselseitigen Einflüsse verschiedener Regionen immer mehr zunehmen, kann man heute vieles einfach nur noch im Kontext begreifen.

    Feststehen dürfte jedenfalls, dass dieses fatale – aber eigentlich zwangsläufige – Zusammentreffen zweier unglücklicher Umstände, nämlich die zunehmende Abhängigkeit von einzelnen Konzernen mit den Folgen des Klimawandels viele Menschen ihrer Lebensgrundlage beraubt.

    Und das darf einfach nicht sein. Es IST aber derzeit so. Und muss sich schleunigst ändern.

    Übrigens, gerade zu diesem Thema habe ich mich kürzlich hier im Forum schon mal geäußert:
    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken-versicherungen/sparkassentag-in-duesseldorf-wir-rutschen-in-eine-gesellschaft-die-auf-pump-lebt/v_detail_tab_comments/13508776.html)

    Und, wo ich gerade dabei bin, passen vielleicht noch folgende Kommentare hierhin:
    http://www.handelsblatt.com/panorama/aus-aller-welt/70-jahre-handelsblatt/mein-handelsblatt-bestaendig-ist-nur-der-wandel/v_detail_tab_comments/13559104.html
    http://www.handelsblatt.com/finanzen/vorsorge/altersvorsorge-sparen/verbraucherkredite-deutsche-kaufen-viel-auf-pump/13480962.html

  • Seltsam, seltsam - da reißen sich doch 2 deutsche Weltunternehmen um eine Firma, die vermutlich krebserzeugende Stoffe herstellt und eines der schlechtesten Image der Welt hat.

  • Na prima,da bahnt sich der nächste Megakonzern an.Je größer der Konzern,desto menschenfeindlicher wird das Ergebnis.Wirtschaft kann zum Fluch werden,gerade im Fall von Chemiegiganten hat sich das zur genüge bewahrheitet.Union Carbide weigert sich bis heute seine Verantwortung für Bophal zu übernehmen."Nach uns die Sintflut!",ist das Motto der meisten Chemiegiganten.

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