Bayer und Monsanto
„Wir trauen uns das zu“

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Umbenennung von Monsanto bleibt denkbar

Natürlich kennt auch Baumann die Tücken von transatlantischen Fusionen. Ein besonders abschreckendes Beispiel war sicherlich die Übernahme des US-Autokonzerns Chrysler durch Daimler. 1998 hatte der damalige Daimler-Chef Jürgen Schrempp die Fusion noch als „Hochzeit im Himmel“ bejubelt, 2007 wurde die Ehe unter Schmerzen wieder aufgelöst.

Ja, eine transatlantische Fusion sei sicherlich nicht einfach, räumte Baumann ein. Allerdings sei das Projekt auch nicht anspruchsvoller als die Übernahme des deutschen Konkurrenten Schering, die Bayer im Jahr 2006 startete. Die Größenverhältnisse seien vergleichbar, und damals habe Bayer auch weltweite Aktivitäten integrieren müssen. Im Gegenteil: Bei Monsanto sei das Geschäft sogar konzentrierter. Das Unternehmen habe sein Geschäft vor allem in Nord- und Südamerika „hochkonzentriert“, in anderen Regionen sei es eine „eher kleine Übernahme“. „Die Komplexität ist geringer“, sagte Baumann, „wir trauen uns das zu.“

Dass Bayer im zweiten großen Standbein, der Pharma-Sparte, in absehbarer Zeit mit einem ähnlich großen Zukauf nachziehen könnte, schloss Baumann aus: „Es gibt keine Möglichkeiten, in den nächsten Jahren hier im großen Stil zu akquirieren.“ Zum einen seien die Bewertungen in der Branche aktuell sehr hoch, zum anderen habe Bayer eine funktionierende Pharmasparte. Die Geschäfte liefen gut und Bayer habe einige sehr erfolgreiche Produkte. Außerdem müsse Bayer jetzt erstmal Monsanto integrieren und die Bilanz entschulden.

Bayer müsse zwar darauf achten, dass die Produktpipeline gut gefüllt bleibe – und die vielleicht auch über kleinere Zukäufe stärken. „Es wird aber keine Großakquisition in den kommenden Jahren geben.“ Trennen will sich Bayer, wie Baumann bekräftigte, von der Kunststofftochter Covestro, an der das Unternehmen aktuell noch rund 45 Prozent hält. Eine konkrete Zeitvorgabe gebe es aber nicht.

Baumann versicherte, dass der Konzern mit Monsanto nicht „durch die Hintertür“ genmodifiziertes Saatgut nach Europa bringen wolle. Bayer habe hierzu zwar eine andere Meinung, die Diskussion sei in Europa aber abgeschlossen und der Konzern akzeptierte das Votum. Denn, so betonte der Bayer-Chef: „Die gesellschaftliche Akzeptanz ist die Lizenz, um unser Geschäft zu betreiben.“

Baumann räumte ein, dass Monsanto mit Imageproblemen zu rechnen habe. Speziell in Deutschland und Frankreich gelte das Unternehmen bei Aktivisten als „Inkarnation des Bösen“. Ob Bayer deshalb den vorbelasteten Namen des US-Zukaufs aufgeben wird, wollte Baumann nicht sagen. Die Diskussion werde erst nach Abschluss der Transaktion geführt.

Er deutete aber an, dass bei Monsanto die Bereitschaft vorhanden sein. Sein Amtskollege Hugh Grant aber direkt nach der Vertragsunterschrift vor den Mitarbeitern betont, dass es jetzt vor allem darum gehe, dass Monsanto jetzt und in Zukunft die Kunden sicher beliefere. „Ob der Name überlebt, sei seine geringste Sorge“, berichtete Baumann.

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  • Dann sind die 66 Milliarden Dollar wohl weg. Schade.

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