Bayerische Brauereigruppe
Brau Holding dreht den Zapfhahn auf

Für Deutschlands drittgrößte Brauereigruppe, die Brau Holding International (BHI), verspricht das Jahr 2006 trotz eines schwachen Umfelds ein Erfolg zu werden. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) werde voraussichtlich um 15 Prozent steigen.

MÜNCHEN. Vergangenes Jahr lag der Betriebsgewinn bei 30 Millionen Euro. Die BHI stemmt sich damit erfolgreich gegen den Trend der Branche. Denn trotz der Fußball-Weltmeisterschaft mit vielen durstigen Fans wird der Absatz hier zu Lande Schätzungen von Experten zufolge Ende des Jahres nur etwa 0,5 bis ein Prozent über dem Vorjahresniveau von 105 Mill. Hektolitern liegen.

Wesentlich besser sieht es da bei der BHI aus: Der Umsatz wird dieses Jahr wahrscheinlich um etwa 13 Prozent auf rund 800 Mill. Euro steigen. Vier bis fünf Prozentpunkte davon seien Wachstum aus eigener Kraft, der Rest stamme aus Übernahmen, sagt Hoepfner.

Mit Marken wie Paulaner, Fürstenberg, Thurn & Taxis und Hoepfner sieht sich die BHI in Süddeutschland mit Marktanteilen je nach Region von 20 bis 30 Prozent als Nummer eins. Das Unternehmen, das in den vergangenen Jahren durch Zukäufe stark gewachsen ist, ist ein Joint-Venture der Münchener Schörghuber Gruppe (Hotels, Immobilien, Flugzeug-Leasing) und des niederländischen Braukonzerns Heineken. Mehrheit und unternehmerische Führung liegen bei Schörghuber.

Das gute Geschäft im zu Ende gehenden Jahr ist für Hoepfner der Beweis dafür, dass die Regionalstrategie der Gruppe aufgeht. „Wir brauen Heimat“, sagt der 58-Jährige mit Blick auf die 17 im Süden verteilten Braustätten, die weitgehend unabhängig voneinander in ihrer Region ihr Bier verkaufen. Deshalb stehe es nicht zur Debatte, einzelne Brauereien zu schließen – obwohl die Branche unter Überkapazitäten leidet.

Offensichtlich sind die einzelnen Marken sogar so attraktiv, dass die BHI ihre Kunden kräftig zur Kasse bitten kann. „Viele unserer Brauereien haben zuletzt die Preise erhöht“, sagte Hoepfner. Am stärksten hat das Aushängeschild Paulaner zugelangt: Die Münchener verlangen jetzt bis zu acht Prozent mehr für ihr Bier als noch im Frühjahr.

Paulaner ist eine der Wachstumshoffnungen der BHI. „Wir wollen Weltmarktführer beim Weißbier sein“, sagte Hoepfner. Auf diesem Feld tritt das Unternehmen gegen ausländische Biere, aber auch bayerische Konkurrenten wie Erdinger und Franziskaner an. Weltweit werden Lizenznehmer für die „Paulaner Bräuhäuser“ gesucht, die es schon in Metropolen wie Schanghai oder Kapstadt gibt. Darüber hinaus soll Paulaner über das weltweite Vertriebsnetz von Heineken gepusht werden.

Ziel der BHI ist es zudem, weiter zu expandieren und Brauereien zu übernehmen. Die BHI ist nach Oetkers Radeberger Gruppe (Jever, Clausthaler, Berliner Kindl) und Inbev Deutschland (Beck’s, Diebels, Löwenbräu) die Nummer drei hier zu Lande und kommt auf einen Marktanteil von rund zehn Prozent.

Eine Übernahme von Löwenbräu von Inbev kommt für die BHI allerdings nicht in Frage. In der Branche wird schon länger spekuliert, die Münchener könnten ihren lokalen Konkurrenten schlucken. Die Gerüchte bekommen jetzt neue Nahrung, weil Inbev sich aus Stuttgart (Dinkelacker) zurückzieht. Dies könnte der Startschuss für weitere Verkäufe des Weltmarktführers in Deutschland sein, hieß es in Branchenkreisen. Doch die BHI fürchtet Proteste, falls sie Löwenbräu übernimmt. „Dann müssten wir eine Brauerei in München schließen“, sagte Hoepfner.

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