Bayerischer Flugzeughersteller baut eigenen Businessjet
Grob steigt ins Düsenzeitalter ein

Der bayerische Flugzeughersteller Grob fliegt in neue Dimensionen. Bereits im kommenden Jahr will das Familienunternehmen mit der Serienproduktion des zweistrahligen Businessjets Grob SPN beginnen. „Wir sehen großes Potenzial für das Flugzeug“, sagte der Generalbevollmächtigte Christian Grob am Firmensitz in Mattsies (Allgäu).

MATTSIES. „In den kommenden zehn Jahren wollen wir das Flugzeug mindestens 400 Mal verkaufen“, kündigte Grob an. Ein Dutzend Abschlüsse seien bereits unter Dach und Fach, rund 100 konkrete Anfragen lägen vor, sagt Grob. Der Stückpreis soll bei rund 5,6 Mill. Euro liegen.

Sechs bis neun Passagiere finden in dem Businessflieger Platz, je nach Ausstattung. Wie in einem modernen Familienvan können die Sitze mit einfachen Handgriffen ausgebaut werden, so dass die Kabine auch variabel als Frachtraum genutzt werden kann. Das Cockpit ist für zwei Piloten ausgelegt, ein Pilot reicht aber für eine Maschine dieser Größe. Voll getankt hat das Flugzeug eine Reichweite bis zu 3 300 Kilometern, so dass es von Deutschland aus jeden Punkt in Europa erreicht. Keine drei Jahre haben die hauseigenen Entwickler für den Prototypen gebraucht, den Grob zur Verblüffung der Branche auf der Luftfahrtshow Le Bourget in Paris im Juni diesen Jahres präsentierte. Damals flog der Vogel aber noch nicht: Erst vor drei Wochen hat der Prototyp seinen Jungfernflug zur Zufriedenheit der Konstrukteure absolviert. „Mit dem Düsenflieger“, sagt Grob, „haben wir uns einen Traum verwirklicht.“

Flugzeuge sind nur ein kleiner Teil im Portfolio des Familienunternehmens. Grob produziert vor allem Kunststoffteile und Werkzeugmaschinen für die Automobilindustrie. Weltweit arbeiten über 3000 Mitarbeiter für die Firma mit Standorten im Allgäu, den USA und China. Der Einstieg in das Flugzeuggeschäft geht vor allem auf die Passion des Familienoberhauptes Burkhart Grob zurück. Der Flugzeugbereich baut seit 1971 vor allem Segelflieger und Schulflugzeuge. Neben der Lufthansa kaufte die britische Royal Air Force Hunderte der einmotorigen Schulmaschinen, die Grob jahrelang ein solides Auskommen sicherten. Mit der Entwicklung des Höhenaufklärers Strato 2C, der für die Erforschung der Ozonschicht konzipiert wurde, kam das Unternehmen in den Neunziger Jahren in die Schlagzeilen. Das Forschungsministerium stoppte das Projekt wegen ausufernder Kosten.

Das soll bei dem neuen Businessflieger nicht passieren. Die Entwicklungskosten von unter 100 Millionen Euro werden zum Teil von einem Investor getragen, den Grob nicht nennen will. Die Triebwerke liefert der US-Anbieter Williams, das Cockpit und die Elektronik stammen von Honeywell. Fahrwerk und Innenausstattung stammen aus eigener Produktion, ebenso wie der aus Kohlefasern gefertigte Rumpf. Der Clou der Konstruktion: Anders als anderen Businessjets reicht dem Grob SPN eine 900 Meter lange Gras- oder Schotterpiste für Start und Landung. „Das schafft kein anderer Jet“, sagt Grob.

Experten sind dennoch skeptisch. „Das ist ein sehr ambitioniertes Projekt“, sagt Luftfahrtberater Heinrich Grossbongardt. Denn in dem Markt für kleine Düsenflugzeuge ist es eng geworden in den vergangenen Jahren. Neben den großen Anbietern wie dem kanadischem Bombardier-Konzern oder dem brasilianischen Hersteller Embraer tummeln sich ein halbes Dutzend weiterer Konkurrenten. Die hätten, anders als Grob, bereits mehrere Kurzstreckenjets im Markt. „Grob wird vor allem von Einzelkunden leben. Das stellt besondere Anforderungen an die Versorgung mit Service und Ersatzteilen“, sagt Grossbongardt.

Dafür haben die Allgäuer bereits einen Partner gewonnen. Die Schweizer Execu Jet will ab sofort die Vermarktung des neuen Grob-Jets übernehmen. Zunächst wolle man das Flugzeug in Europa vermarkten, später soll Nordamerika folgen. Bereits Anfang 2007 sollen die ersten Kunden ihren neuen Grob-Jet ausgeliefert bekommen.

Jet-Träume

Airbus und Boeing: Die beiden Konzerne sind praktisch weltweit die letzten zivilen Hersteller von Passagierjets die mehr als 100 Passagiere fassen. Lange Entwicklungszeiten und hohe Kosten sind kaum noch zu überwindende Marktbarrieren.

Fairchild-Dornier: Das Traditionsunternehmen aus Oberpfaffenhofen meldete im April 2002 Insolvenz an. Der Flugzeugbauer hatte sich mit dem Bau des Regionaljets DO 728 überhoben. Chinesen haben die viel gelobte Technik aus der Konkursmasse gekauft und wollen das Projekt selbst realisieren.

Grob: Mitarbeiter und Know-how von Dornier wanderten teilweise zu Grob ab. Bislang hat Grob nur Schul- und Segelflugzeuge hergestellt. Mit dem Bau eines Businessjets wagt man sich nun in eine neue Dimension. Mit dem Projekt ist Grob der letzte unabhängige Hersteller von Düsenflugzeugen in Deutschland.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%