Beckham und die Amerikaner
Mission Impossible

Im Westen nichts Neues: Für Amerikaner gehört ein Ball entweder in den Korb oder auf die Tribüne gehauen, und zum Football gehört ein braunes Ei. Punkt. Adidas schmerzt diese Ignoranz, weil sie den Deutschen die Chance nimmt, Erzrivalen Nike als Weltmarktführer ablösen zu können. Doch der Sportartikelhersteller gibt nicht auf. Wie David Beckham die Amerikaner zum „Soccer" bekehren soll.

NEW YORK. Einem Amerikaner Handball beizubringen ist schier unmöglich. Ein deutscher Korrespondent und Ex-Handballer musste bei diesem Versuch kürzlich in Boston kläglich scheitern: Nach einem ausführlichen Referat über Grundregeln und die Schmerzen eines Kreisläufers fragte eine Managerin des US-Sportartiklers Reebok achselzuckend: „Is it something like water polo?“

Ein ähnlich niederschmetterndes Ergebnis haben die Wunderkicker Beckenbauer, Pelé und Cruyff schon in den 70er-Jahren erlebt, als sie in den USA Fußball mehrheitsfähig machen wollten. 30 Jahre später gilt noch immer: Für Amerikaner gehört ein Ball entweder in den Korb oder auf die Tribüne gehauen, und zum Football gehört ein braunes Ei. Punkt.

Den Sportartikelhersteller Adidas schmerzt diese Ignoranz, weil sie dem deutschen Konzern die Chance nimmt, den Erzrivalen Nike als Weltmarktführer ablösen zu können. Die Vereinigten Staaten sind der letzte weiße Fleck auf dem Globus, der noch nicht vom Adidas-dominierten Fußball infiziert ist – dummerweise ein sehr großer.

Um das zu ändern, hat Adidas jetzt David Beckham beauftragt, die zweite Aufklärungswelle in Sachen US-Fußball zu leiten. Seine Gage für einen Fünfjahresvertrag bei Los Angeles Galaxy liegt bei sportlichen 190 bis 250 Millionen  Dollar und wird weitgehend von Adidas und dem Clubeigner Anschutz Entertainment Group gestemmt. Der fanatische US-Sportinvestor überzieht das Land bereits seit Monaten mit frohen Botschaften: „Be a Part of History: Beckham Comes to America“, strahlt es von ganzseitigen Printanzeigen. Adidas legt jetzt mit der TV-Werbekampagne „Futbol meets Football“ nach, die den Briten Beckham beim „Touchdown“ zeigt und den US-Footballstar Reggie Bush beim Elfmeterschießen.

Doch so leichtfüßig der große Blonde mit dem weißen Schuh auftritt, vor den Adidas-Marketingstrategen liegt Schwerstarbeit. Abgesehen von den fußballverrückten Latinos im Land, kennen gestandene US-Bürger Beckham bisher allenfalls als Ehemann von Ex-Spicegirl Victoria Adams und Freund von Hollywood-Filmstar Tom Cruise. Die Adidas-Leute wissen, dass es der Fußball alleine nicht in die Herzen der Amerikaner schafft, also muss mehr Show her. Beckham generiere über den Sport hinaus weltweit Medieninteresse, betont ein Unternehmenssprecher. Die Chance, den Durchbruch in den USA zu schaffen, sei deshalb „viel größer als vor 30 Jahren“. Also wird die Adidas-Ikone bald von Madrid nach Hollywood übersiedeln – dorthin, wo Freund und Regisseur Tom Cruise das Filmstudio United Artists wiederbeleben soll. Hartnäckig halten sich Spekulationen, Frauenheld Beckham könne dabei eine Rolle spielen.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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