Bedeutende Rolle für Ex-Chef von Hugo Boss
Finanzinvestor Apax greift nach Escada

Der britische Finanzinvestor Apax bereitet den Einstieg beim Münchener Modekonzern Escada vor. Mit dabei sein soll in exponierter Stellung ein alter Bekannter: Bruno Sälzer, bis vor einigen Wochen noch Chef von Hugo Boss. Auch Apax hat einschlägige Erfahrung in der Branche.

DÜSSELDORF. Der britische Finanzinvestor Apax will bei Escada einsteigen und gemeinsam mit dem russischen Großaktionär Rustam Aksenenko die Mehrheit an dem Münchener Modekonzern übernehmen. Neuer Vorstandschef soll der bisherige Hugo-Boss-Chef Bruno Sälzer werden. "Apax will sich nicht nur finanziell an Escada beteiligen, sondern auch ein neues Management mit einbringen", sagte ein Insider aus Verhandlungskreisen dem Handelsblatt. Die neue Eigentümer-Konstellation soll bis zur Escada -Hauptversammlung am 17. April stehen.

Sälzer hatte erst Mitte Februar den Vorstandsvorsitz bei Deutschlands größtem Modekonzern Hugo Boss aufgegeben. Er wollte die vom neuen Eigentümer, dem Finanzinvestor Permira, geforderte Sonderausschüttung nicht mittragen. Sälzer, dessen Vertrag bei Boss noch bis Ende Juni läuft, könnte den neuen Job Anfang Juli antreten. Die von ihm noch nachträglich für 730 000 Euro unterschriebene Konkurrenzausschlussklausel gilt nur für bestimmte Marken. Nach Informationen aus Konzernkreisen zählt der Schneider von Damenluxusmode, Escada, offenbar nicht dazu. Sälzer sagte dem Handelsblatt, er wolle "diese Gerüchte nicht kommentieren".

Der seit 2007 amtierende Escada -Vorstandschef Jean-Marc Loubier, der vom französischen Luxusgüterkonzern LVMH nach München gekommen war, hat dort bisher keine glückliche Hand bewiesen. Der Franzose hatte die jüngste Herbst-Winter-Kollektion öffentlich schlechtgeredet, was deren Verkauf nicht befördert hatte. Ende Februar musste er eine tiefrote Bilanz für das vergangene Geschäftsjahr präsentieren. Bei rückläufigen Erlösen von 686 Mill. Euro belief sich der Verlust auf 27,3 Mill. Euro. Auch das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres enttäuschte Analysten und Anleger (siehe Grafik).

Die Aktie des 1976 gegründeten und einst größten und international bekanntesten deutschen Modekonzerns hat in den vergangenen Monaten dramatisch an Wert verloren. Im Sommer lag der Kurs noch bei über 35 Euro, inzwischen notiert die Aktie des SDax-Konzerns bei rund 13 Euro. Am Mittwoch legte sie zu Handelsbeginn um fast 18 Prozent auf 15,50 Euro zu.

In der Branche wird die Krise von Escada mit Kopfschütteln beobachtet. Die Marke besitzt international viel Potenzial. "Escada hat seit 15 Jahren ein echtes Managementproblem. Wie man mit so einer Marke so wenig Geld verdienen kann, ist mir ein Rätsel", sagt Xaver Zimmerer, geschäftsführender Gesellschafter der M&A-Beratung Interfinanz.

Dass die jüngsten Restrukturierungsbemühungen von Escada -Chef Loubier nicht überzeugen konnten, haben Aktionär Aksenenko und der neue Aufsichtsratschef Claus Mingers finanziell zu spüren bekommen. Beide hatten 2007 zu Kursen von über 30 Euro im großen Stil Aktien gekauft: Mingers für über 250 000 Euro, Aksenenko für noch einmal rund fünf Mill. Euro.

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