Bedingungen gestellt: Ministerin funkt RAG bei Degussa-Übernahme dazwischen

Bedingungen gestellt
Ministerin funkt RAG bei Degussa-Übernahme dazwischen

Der Mischkonzern RAG – die ehemalige staatliche Ruhrkohle AG – muss sich auf die Bedingungen des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums einlassen, will sie den Spezialchemiekonzern Degussa ganz übernehmen.

HB DÜSSELDORF. Zwar schaffe die RAG mit der Übernahme der Degussa eine wichtige Voraussetzung für ihren geplanten Börsengang, doch sei zum Erwerb der Anteile eine Genehmigung der öffentlichen Hand notwendig, teilte NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) am Mittwoch mit. „Maßstab für diese Entscheidung ist die Sicherung des vertraglich festgelegten Haftungsverbundes“, betonte sie mit Blick auf die finanzielle Risikogemeinschaft der ehemaligen Ruhrkohle für etwaige Schäden aus dem Bergbau. Um dies sicherzustellen, müssten „schnellstmöglich“ Zahlen zu den tatsächlichen Bergbau-Altlasten auf den Tisch gelegt werden. Thoben bestehe auf einer raschen Klärung, betonte ein Sprecher.

Thoben argumentierte, zwischen den heutigen Rückstellungen für den Bergbau und den tatsächlich zu erwartenden Kosten dürfe es keine Lücke geben. Sowohl die Interessen der Steuerzahler als auch die der RAG müssten gewahrt bleiben.

Die RAG hatte ihr Übernahmeangebot für die Degussa-Anteile auch davon abhängig gemacht, dass Bund und Land der Transaktion zustimmen. Dies müsse spätestens bis 31. März 2006 geschehen. Der Essener Konzern bietet für die vom Energieversorger Eon gehaltenen 42,86 Prozent an der Degussa rund 2,8 Mrd. Euro oder 31,50 Euro je Aktie. Die freien Degussa-Aktionäre sollen 42 Euro je Papier erhalten; ingesamt dürfte dieser Posten bei 600 Mill. Euro liegen. Mit der Degussa will sich die RAG attraktiv für den Kapitalmarkt machen. Die Erlöse aus ihrem Börsengang will RAG auch für die Deckung der Altlasten aus dem Bergbau nutzen.

Die Degussa-Führung hatte ihren Aktionären die Annahme des RAG-Übernahmeangebots empfohlen. Vorstand und Aufsichtsrat des weltgrößten Spezialchemieunternehmens erklärten am Mittwoch, der Preis von 42 Euro je Aktie sei angemessen. Man sei überzeugt, dass das Angebot dem Interesse der Degussa diene, insbesondere von deren Aktionären und Mitarbeitern. Der Konzernbetriebsrat begrüße ebenfalls das Angebot.

Bei der Finanzierung der Übernahme könnte RAG der erwartete Milliardenerlös aus dem Verkauf der lukrativen Bauchemiesparte von Degussa helfen. Am Dienstag hatte Degussa Verhandlungen über den Verkauf der Sparte angekündigt. Als aussichtsreichster Kandidat gilt der Chemiekonzern BASF, der bereits im Dezember sein Interesse angemeldet hat. Der mögliche Verkaufspreis wird von Experten auf rund 2,5 Mrd. Euro geschätzt.

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