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16.01.2007 

Mächtige Erzminen, zersplitterter Stahlmarkt. Grafik: HandelsblattLupe

Mächtige Erzminen, zersplitterter Stahlmarkt. Grafik: Handelsblatt

China produziert zwar selbst so viel Eisenerz wie kein anderes Land, doch muss es zusätzlich noch einmal fast halb so viel importieren. Darum sind chinesische Unternehmen auf der ganzen Welt unterwegs, um sich Erzvorräte zu sichern. Abkommen in Nordkorea, Vietnam und Indien haben sie sich gesichert. Drei Mrd. Dollar hat China ausgegeben, um ein Erzvorkommen im westafrikanischen Gabun zu erschließen – einschließlich einer 560 Kilometer langen Bahnstrecke an die Küste, eines Hafens und eines Kraftwerks. Wie bei Öl und Gas traut sich China aus Not auch bei Erzen an Projekte, die kein westlicher Konzern den Anlegern vermitteln könnte.

Auch die Probleme sind bei allen Rohstoffen die gleichen: Der enorme Boom der vergangenen Jahre hat die Kapazitäten an Mensch und Material aufgezehrt. „Es fehlt an Ingenieuren und Projektmanagern, die Kosten steigen, und Genehmigungen dauern immer länger“, fasst Magnus Ericsson, Gründer der Stockholmer Beratungsfirma Raw Materials Group, die Nöte der Branche zusammen. Weil es länger als erwartet dauert, bis neue Erzminen die Produktion beginnen, hat er seine Prognosen korrigiert. Statt 2007 oder 2008 werde der Eisenerzmarkt erst ein Jahr später sein Gleichgewicht wiederfinden, sagt er voraus. Auch die Stahlproduktion entwickele sich stärker als erwartet. Die Preise könnten also im nächsten Dezember noch einmal steigen, wenn Stahl- und Bergbaufirmen wieder verhandeln.

Auch wenn der gegenwärtige „Superzyklus“ nun schon länger dauert, als die Branche zu hoffen wagte – irgendwann wird auch dieser Boom zu Ende gehen. Dann dürften die Preise zurückfallen, wenngleich auch nicht auf das Niveau der 90er-Jahre. Dafür wird die Industrialisierung von Ländern wie China und Indien sorgen. „Es wird wieder ein Überangebot geben, aber nicht vor 2008“, sagt Ericsson. Das Eisenerz geht also nicht aus – zumal viele Regionen noch gar nicht geologisch erforscht sind. In Afrika, der ehemaligen Sowjetunion und in Indien vermuten Experten noch riesige Vorkommen.


Mitarbeit: G. Braune, A. Busch, W. Drechsler, U. Wälterlin

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