Befürchtete Klausel kommt nicht
Volkswagen & Co. können in China aufatmen

Die Regierung in Peking verzichtet auf die Festlegung lokaler Entwicklungsquoten für den am schnellsten wachsenden Automarkt der Welt.

hof FRANKFURT. Die chinesische Regierung hat am Dienstag in Peking die politischen Standards für die Automobilindustrie veröffentlicht und damit ihre strategischen Ziele festgelegt: Peking wünscht sich eine Branche mit einer überschaubaren Zahl großer Herstellern. Die Macht soll weiter in China angesiedelt bleiben, denn ausländischen Konzernen werden auch künftig in Produktions-Joint-Ventures gezwungen, an denen sie keine Mehrheiten erwerben dürfen. Das verdeutlichte die staatliche Entwicklungs- und Reformkommission in ihren Ausführungen.

Dennoch können Marktführer Volkswagen und die anderen Investoren von BMW über Citroën, General Motor bis Toyota aufatmen. Auf die in der Branche befürchtete Klausel, dass vom Jahr 2010 an die Hälfte der in China verkauften Autos auch im Land entwickelt werden müsse, hat die Kommission anscheinend auf Druck der ausländischen Investoren verzichtet. „Wichtig ist aber die Frage, wie die Standards am Ende gelebt werden“, zeigt sich Henrik Lier, Auto-Analyst der WestLB weiter skeptisch. Denn eine Quote fehlt zwar in den Ausführungen, doch ließen die Strategieplaner aus Peking keinen Zweifel daran, wo die Autos für den einheimischen Markt produziert werden sollen: „Noch vor 2010 wird China eine wichtige Auto-Nation, lokal gefertigte Produkte werden hauptsächlich die heimische Nachfrage befriedigen, und wir werden in großem Stil in den internationalen Markt eintreten“, schreiben die Verfasser des Papiers. Zusätzlich sollen geänderte Zollvorschriften den Autoimport erschweren.

Eindeutiger ist das Ziel, eine Zerklüftung der Branche zu verhindern und sich auf größere Autohersteller zu konzentrieren. So verlangt die Regierung bei neuen Projekten in der Branche ein Investitionsvolumen von mindestens 1,5 Mrd. Yuan (150 Mill. Euro). Komplett neue Werke werden sogar nur noch bei Investitionen in Höhe von 200 Mill. Euro genehmigt und müssen bei einer Produktion von VierzylinderFahrzeugen mindesten 50 000 Autos jährlich fertigen können. Bei Sechs-Zylindern müssen 30 000, bei schweren Nutzfahrzeugen 10 000 Wagen die Bänder verlassen.

Der boomende chinesische Automarkt, auf dem sich die Absatzzahlen in den vergangenen vier Jahren verdreifacht haben und weiter zweistellig wachsen, hat in der jüngsten Vergangenheit immer mehr lokale, branchenfremde Unternehmen angelockt. Sie drängten vor allem in den Massenmarkt, der aktuell noch von VW und GM dominiert wird. Trotz der Standards wird „dieses Segment weiter gefährdet sein. Nur der Premiumbereich ist sicher“, glaubt Lier.

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