Begrenztes Risiko
Altlast Chrysler gilt bei Daimler als beherrschbar

Die Krise der amerikanischen Autoindustrie trifft Daimler nicht so stark wie gedacht. Die Chrysler-Verluste verhageln zwar derzeit die Bilanz des deutschen Branchenriesen. Doch selbst wenn der angeschlagenen amerikanische Autobauer Pleite geht, sind die Kosten für den Untertürkheimer Konzern begrenzt.

STUTTGART. Aus dem Namen hat Daimler Chrysler gestrichen, aus den Büchern noch nicht. Die Altlast hängt nach. Doch das Risiko der Restbeteiligung von 19,9 Prozent scheint für den Untertürkheimer Konzern begrenzt, egal was aus Chrysler wird. Geht Chrysler mit GM zusammen, übernimmt der wie auch immer geartetet neue Konzern auch alle vertraglichen Verpflichtungen. Die möglichen Belastungen bleiben auch bei einer US-Fusion für Daimler unverändert.

Allein in den ersten neun Monaten belasteten die Verluste von Chrysler die Daimler-Bilanz mit 1,215 Mrd. Euro. Die Beteiligung ist im Daimler-Konzern „at equity“ bilanziert, deshalb verringert sich der Wert der Beteiligung jeweils um die eingefahrenen Verluste von Chrysler. Das hatte zur Folge, dass sie in den Büchern inzwischen auf null abgeschrieben ist. Darüber hinaus hat Daimler den Amerikanern zwei Darlehen gegeben, die ebenfalls mit den Verlusten verrechnet werden. Das erste nachrangige Darlehen über 400 Mio. Dollar steht deshalb nur noch mit 83 Mill. Euro in den Büchern von Daimler, wie Finanzchef Bodo Uebber beim jüngsten Quartalsbericht mitteilte. Das zweite Darlehen steht noch mit den vollen 1,5 Mio. US-Dollar in der Bilanz. Bei einer andauernden Verlustsituation in Auburn Hills gilt es aber nur noch als eine Frage von Monaten, bis auch dieses Darlehen abgeschrieben ist. Das heißt: Daimler hat umgerechnet eine Belastung von rund einer Mrd. Euro, wenn Chrysler am Leben bleibt und in den nächsten Quartalen weiter hohe Verluste macht.

Geht Chrysler in die Pleite, erhöht sich die Belastung von Daimler um eine weitere Milliarde Dollar. Der Betrag wird als Zuzahlung zu Pensionsverpflichtungen fällig, wenn Chrysler bis 2012 Konkurs anmeldet. Diese Garantie musste Daimler beim Verkauf der Mehrheit an den Finanzinvestor Cerberus geben. Somit summiert sich im Fall einer Pleite die Belastung für Daimler nach Angaben der Stuttgarter auf 1,8 Mrd. Euro. Nach Einschätzung von Analyst Georg Stürzer von der Unicredit wird dabei die Liquidität von Daimler direkt nur noch mit maximal einer Mrd. Euro belastet.

So wird verständlich, warum der Verkauf der restlichen 19,9 Prozent an Cerberus vor wenigen Tagen vorerst scheiterte. Cerberus forderte von Daimler eine Mitgift, die noch über dem damaligen Kaufpreis von 7,2 Mrd. Euro lag, die Cerberus im August des vergangenen Jahres für ihren 80-Prozent-Anteil an Chrysler bezahlt hatte. Die Amerikaner fühlen sich beim Kauf über den Tisch gezogen und drohen mit Klagen vor US-Gerichten. Das könnte für die Stuttgarter noch unangenehm und langwierig werden. Daimler-Chef Dieter Zetsche bezeichnete die Forderungen des Finanzinvestors Ende November als „absurd“. Die Stuttgarter hatten sogar mit einem Verkaufserlös gerechnet.

Allerdings wäre Daimler die Beteiligung gerne los, weil die Verlustzuweisung und die daraus folgenden Abschreibungen die jeweiligen Quartalsergebnisse zumindest so lange verhagelt, bis auch noch das letzte Darlehen an Chrysler auf null abgeschrieben ist. Zwar sitzen Daimler-Vertreter noch in den Aufsichtsgremien bei Chrysler. Aber mit der Beteiligung von 19,9 Prozent haben sie auf die Entscheidungen bei einer möglichen Fusion mit GM keinen maßgeblichen Einfluss. Bei einer Fusion würde der Anteil noch deutlicher verwässert. Aber Daimler würde natürlich den Makel einer Beteiligung an einem US-Autohersteller vor allem mit Hinblick auf die Kapitalmärkte gerne loswerden und verhandelt weiter, wie eine Sprecherin bestätigt.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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