Beherrschungsvertrag angestrebt
Porsche stockt VW-Anteil deutlich auf

Der Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche hat seinen Anteil am größeren VW-Konzern deutlich aufgestockt und strebt einen Beherrschungsvertrag an. Noch vor Ende des Jahres will der Sportwagenbauer die 50-Prozent-Hürde bei VW nehmen.

HBHANNOVER/FRANKFURT. Der Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche hat seinen Anteil an VW deutlich aufgestockt und strebt eine Beherrschung von Europas größtem Autobauer an. Wie die Porsche Holding, in der das eigene Fahrzeuggeschäft wie auch die Beteiligung an VW geführt wird, am Sonntag mitteilte, hielt sie Ende vergangener Woche 42,6 Prozent der VW-Stammaktien sowie zusätzlich Optionen auf weitere 31,5 Prozent. In der Summe ergibt dies 74,1 Prozent.

Ziel sei es, im kommenden Jahr auf 75 Prozent aufzustocken und damit den Weg für einen Beherrschungsvertrag freizumachen, hieß es weiter. Es bleibe dabei, dass Porsche noch im November oder Dezember die 50-Prozent-Hürde bei VW nehmen wolle.

Ein Volkswagen-Sprecher erklärte, die Ankündigung entspreche den bekannten Planungen von Porsche. Beide Autobauer haben gemeinsame Pläne für ihr Geschäft. Aus aktienrechtlicher Sicht können sie es erst verbinden, wenn ein Beherrschungsvertrag dafür die Grundlage bildet. VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech hatte erst vor kurzem mit Blick auf das geplante Zusammengehen der Konzerne erklärt: „Wir alle wollen dieses Vorhaben erfolgreich abschließen.“ Zum geplanten Abhängigkeitsverhältnis von Porsche sagte er: „Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden.“

Bei einem Beherrschungsvertrag müsste sich VW komplett Porsche unterstellen und alle Gewinne nach Stuttgart überweisen. Um ihn tatsächlich abschließen zu können, muss allerdings noch eine wichtige Hürde fallen: Derzeit regelt das VW-Gesetz, dass das Land Niedersachsen als zweitgrößter Aktionär mit seinem Anteil von 20,1 Prozent der Stimmrechte einen solchen Vertrag blockieren kann. Eine Sprecherin des Landes lehnte eine Stellungnahme am Sonntag ab. Niedersachsen hatte in der Vergangenheit allerdings angekündigt, notfalls zusätzliche VW-Aktien zu kaufen, um seinen Einfluss zu sichern.

Die Arbeitnehmer, deren Schutz das VW-Gesetz im Wesentlichen dient, sind allerdings weiterhin gegen die Beherrschung durch den Sportwagenbauer. VW-Betriebsratsratschef Bernd Osterloh erklärte: „Einige Herren müssen aufpassen, dass ihr Traum nicht zum Albtraum wird. Wir lehnen es weiterhin strikt ab, dass Porsche einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag mit VW schließt. Für die mehr als 360 000 Beschäftigten von Volkswagen wäre es eine Katastrophe, wenn Manager, die Arbeitnehmerrechte mit Füßen treten, in diesem Unternehmen das Sagen bekämen.“

Die VW-Arbeitnehmer sind unter anderem wegen eines seit Monaten tobenden Streits um die Machtverteilung zwischen den Betriebsräten von VW und Porsche in der Porsche Holding erbittert.

Der Porsche-Konzern, der sich bei seinen Plänen in den vergangenen Monaten selten in die Karten hatte schauen lassen, begründete die ungewohnte Offenheit mit den beobachteten massiven Spekulationen am Aktienmarkt. „Porsche hat sich zu dieser Bekanntgabe entschlossen, nachdem offenkundig geworden ist, dass deutlich mehr Shortpositionen im Markt sind als erwartet“, teilte das Unternehmen mit. Bei Shortpositionen spekulieren Anleger auf fallende Kurse. Die Offenlegung solle ihnen Gelegenheit geben, die Positionen in Ruhe und ohne größeres Risiko aufzulösen, hieß es nun in der Porsche-Erklärung.

Zudem erwartet Porsche ein baldiges Kippen des VW-Gesetzes. Medienberichten zufolge wird die EU-Kommission auch die von der Bundesregierung geplante Neuauflage

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