Behörde erlaubt Ersatzleitung
Interner Bericht belastet BP

Nach wochenlangen Beteuerungen, wie wichtig der britische Ölkonzern BP die Sicherheit seiner Ölleitungen in Alaska nehme, offenbaren die Verantwortlichen jetzt Details einer großen Schlamperei. Auch wenn BP inzwischen mithilfe neuer Leitungen den direkten Schaden begrenzen kann, bleibt die Angelegenheit ein öffentliches Debakel.

DÜSSELDORF. Der direkte Schaden durch den Förderungsausfall kann möglicherweise bald begrenzt werden. Eine Behörde des US-Bundesstaats habe die Nutzung einer Ersatz-Pipeline zum teilweise stillgelegten Ölfeld Prudhoe Bay befürwortet, teilte ein BP-Unternehmenssprecher mit. Damit könnte der Konzern die Produktion demnächst wieder hochfahren. Für die Inbetriebnahme der neuen Pipeline seien aber noch weitere Genehmigungen erforderlich.

Die Produktion des Ölfeldes war am 6. August heruntergefahren worden, nachdem Rost an der bisherigen Pipeline Lecks verursacht hatte. Der von der Regulierungskommission nun genehmigte Plan würde es BP erlauben, die Förderung des Ölfeldes durch eine andere Pipeline zu leiten.

Zum viel größerer Schaden geraten unterdessen die Anhörungen vor dem amerikanischen Kongress. Das bisher schockierendste Ergebnis: Nachdem Richard Woollam, der Chef der Rostschutzabteilung in Alaska, wegen untragbaren Verhaltens strafversetzt worden war, ließ BP seine Stelle mehr als ein Jahr unbesetzt. Genau in diese Zeit fällt das größte Pipeline-Unglück in der Geschichte Alaskas, bei dem im März mehr als 800 000 Liter Öl in der Arktis versickerten.

„Das Verhalten von BP ist einfach unerklärlich“, sagt Fadel Gheit, ein Öl-Analyst bei Oppenheimer & Co. Die Öffentlichkeit weiß von der führungslosen Rostschutzabteilung nur, weil BP auf Druck der Politiker einen internen Report vorlegen musste: Im Januar 2004, als sich die internen Beschwerden über unhaltbare Zustände in Alaska häuften, beauftragte BP die Kanzlei Vinson & Elkins mit einer Untersuchung.

In ihrem Bericht, der dem Handelsblatt vorliegt, zeichnen die Anwälte ein düsteres Bild: Woollam, der Chef der Abteilung, führte sein Team in einem Stil, der ihm den Spitznamen „King Richard“ einbrachte, und verhinderte die Aufdeckung von Fehlern. „Es hat sich herausgestellt, dass genau die Abteilung, die Rostprobleme aufdecken sollte, von ihrem eigenen Management eingeschüchtert und schikaniert worden ist“, sagte Bart Stupak, ein Mitglied des Untersuchungsausschusses bei der Anhörung.

So bestellte Woollam einen Teamleiter zu sich, aus dessen Abteilung es eine Beschwerde gegen die Personalkürzung von 25 Prozent bei gleichbleibender Arbeitslast gegeben hatte. Woollam drohte ihm mit Entlassung, bis der Manager versicherte, nichts mit der Beschwerde zu tun gehabt zu haben. Darüber hinaus gab es vom Management die Anordnung, staatliche Kontrolleure nur zu sauberen Leitungen zu führen, um Rostprobleme zu verdecken.

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