Behörde warnt vor Marktmissbrauch
Kritik an dubiosem Energiehandel

Der Handel mit Strom und Gas in Europa braucht strengere Regeln. Das fordert die Bundesnetzagentur. "Es gibt Lücken, die sind so groß wie Scheunentore", sagt ihr Vizepräsident – und setzt damit auch die Stromkonzerne unter Druck.

BONN. Im Sog der Finanzkrise gerät jetzt der Börsenhandel mit Energie in die Kritik. Die Bundesnetzagentur warnt vor einer akuten Gefahr des Missbrauchs von Insiderinformationen und drängt auf strengere Vorschriften. „Die Regeln des Finanzmarktes reichen für den Energiemarkt nicht aus“, kritisiert der Präsident der Behörde, Matthias Kurth, gegenüber dem Handelsblatt. „Wir benötigen dringend einen wirksamen Schutz gegen Marktmissbrauch und Insidergeschäfte.“ Vor allem die Transparenz bei marktrelevanten Daten sei völlig unzureichend. Auf EU-Ebene arbeitet die Behörde deshalb an einer Initiative für einen neuen Rechtsrahmen mit.

Europaweit werden immer größere Strom- und Gaslieferungen am Spot- und Terminmarkt gehandelt – zum Teil an Energiebörsen wie der EEX in Leipzig, zum größeren Teil aber in bilateralen Geschäften. Seit langem schon wird der Handel von Industriekunden kritisch beäugt. Sie unterstellen der Energiebranche Manipulationen, um die Preise hochzutreiben.

Erstmals bezieht die Bundesnetzagentur jetzt klar Stellung. In einer Arbeitsgruppe der europäischen Energie- und Finanzmarktregulierer hat sie im vergangenen Jahr für die EU-Kommission den Markt analysiert, Schwachstellen identifiziert und jetzt Handlungsempfehlungen gegeben. Fazit: „Es gibt Lücken, die sind so groß wie Scheunentore“, sagt Vize-Präsident Johannes Kindler, der den Ko-Vorsitz der Arbeitsgruppe innehat. Neben zusätzlichen Regeln seien auch Sanktionen notwendig.

Das Problem: Die Teilnehmer am Großhandel sind nur unzureichend über Fundamentaldaten informiert – über die Verfügbarkeit von Kraftwerken, Stillstände, Kapazitäten in Stromleitungen, Füllmengen von Gasspeichern oder Auslastung von Gaspipelines. Dadurch entsteht die Gefahr, dass durch Ausnutzen von Insiderwissen oder das Zurückhalten von Kapazitäten die Preise beeinflusst werden. Zwar bemüht sich die Branche selbst, die Transparenz zu erhöhen. In Deutschland informieren Eon und RWE inzwischen im Internet, und die EEX trägt Daten zusammen.

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