Behörde will Alkoholkonsum senken
Deutsche Brauereien fürchten Werbeverbot der WHO

Die Deutsche Brauwirtschaft fühlt sich durch Pläne der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bedroht, den weltweiten Alkoholkonsum in den nächsten zehn Jahren kräftig zu senken.

ST. WENDEL. Sollten selbstbeschränkende Maßnahmen der Industrie nicht zum Erfolg führen, drohe die WHO sogar mit einem Kommunikationsverbot, sagte Richard Weber, Chef der saarländischen Karlsberg-Gruppe und Präsident des Deutschen Brauer-Bundes, dem Handelsblatt. Die WHO hat sich zum Ziel gesetzt, den Alkoholkonsum bis zum Jahr 2015 weltweit um 20 Prozent zu senken. Wie sie das erreichen will, steht noch nicht fest. Mögliche Schritte sollen in den kommenden Monaten erörtert werden. Drastischen Maßnahmen, wie etwa einem kompletten Werbeverbot, räumen Beobachter aber bislang wenig Chancen auf Umsetzung ein.

Die Bierbrauer jedoch sind alarmiert: Sie fürchten, dass die WHO jeglichen Kontakt der Alkoholhersteller mit ihren Endverbrauchern unterbinden wird. „Von den Gasthausschildern bis hin zur Bierdeckelwerbung – alles wäre davon betroffen“, sagt Weber. Dies hätte Folgen auch für die Werbeindustrie: Die Alkoholwerbung bewegt weltweit einen Milliardenmarkt. Allein die großen Brauereien geben bis zu 20 Prozent ihres Umsatzes für Werbung aus.

Als Beitrag zur Reduktion des Alkoholgehaltes im Bier stellte Weber auf der Karlsberg-Bilanzpressekonferenz der ein neues Brauverfahren vor, bei dem der Alkoholgehalt des Bieres um bis zu 15 Prozent gesenkt wird, ohne den Geschmack zu beeinträchtigen. Leichtbiere konnten in Deutschland bislang auch aus geschmacklichen Gründen keinen Erfolge erzielen.

Entscheidend für den Geschmack eines Bieres ist nicht zuletzt der so genannte „Stammwürzegehalt“. Mit dem von der Karlsberg-Brauerei entwickelten Verfahren ist es erstmals gelungen, den Alkoholgehalt eines Bieres zu verringern, ohne den Stammwürzegehalt zu reduzieren. Das Unternehmen will das Verfahren exklusiv nutzen und auch nicht den Partnerunternehmen aus der Brau-Holding International (Heineken, Paulaner, Kulmbacher) zur Verfügung stellen. Die BHI hält eine Minderheitsbeteiligung an der deutschen Biersparte der Karlsberg-Gruppe.

Auch im Getränkevertrieb hat Karlsberg neue Wege eingeschlagen. So vertreibt Karlsberg das Produkt „Karla“, ein Wellnessgetränk auf Bierbasis, über deutsche Apotheken. Zwar befinde sich das Unternehmen hierbei noch im Versuchsstadium, aber Weber rechnet mit einem Volumen für diesen neuen Absatzkanal von bis zu 200 000 Hektolitern. Karlsbergs bisherige Handelspartner geben sich jedoch gelassen: „Ich sehe hier noch keinen generellen Trend“, sagt Günther Guder, Chef des Bundesverbandes des Deutschen Getränkefachgroßhandels (GFGH).

Bei einem geringfügig gestiegenen Gesamtumsatz auf rund 690 Mill. Euro hat die Karlsberg-Gruppe im vergangenen Geschäftsjahr (31.3.05) mit 310 Mill. Euro beim Bier (Ur-Pils, Mixery, Desperados) 4,4 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr gemacht. Konzernchef Weber erklärte dies mit der endgültigen Trennung vom wenig margenträchtigen Discount-Geschäft. Der Umsatz mit alkoholfreien Getränken stieg hingegen um 11,5 Prozent auf 301 Mill. Euro.

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