Bei Börsengang
Daimler will bei chinesischem Partner einsteigen

Der chinesische Autobauer BAIC plant seinen Börsengang – und Daimler will offenbar bis zu 20 Prozent übernehmen. Der bisherige Partner könnte für die Stuttgarter zum Standbein im chinesischen Markt werden.
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FrankfurtDer Autobauer Daimler steht Finanzkreisen zufolge vor dem Einstieg bei seinem an die Börse strebenden chinesischen Partner Beijing Automotive Group (BAIC). "Daimler könnte beim Börsengang einen Anteil von 10 bis 20 Prozent übernehmen, je nachdem wie die Gespräche mit den Chinesen laufen", sagte eine von drei mit der Transaktion vertrauten Personen, die von den Plänen berichteten. Daimler wollte sich am Freitag dazu nicht äußern. Der chinesische Autobauer, der gemeinsam mit Daimler Mercedes-Fahrzeuge in China herstellt und vertreibt, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

BAIC will seine Pkw-Sparte in diesem Jahr an die Hongkonger Börse bringen, wie der Chef des vom chinesischen Staat kontrollierten Autobauers, Xu Heyi, bereits im vergangenen September Reuters gesagt hatte. Das Emissionsvolumen solle sich auf mindestens eine Milliarde Dollar belaufen, sagten zwei Insider.

Der Börsengang soll von Goldman Sachs und Morgan Stanley organisiert werden. Die Börsenplatzierung könne sich aber auch noch bis ins kommende Jahr verzögern, schränkte ein Insider ein. Ankerinvestoren, die größere Anteilspakete zeichnen, kommen bei Börsengängen immer mehr in Mode, weil die Emittenten damit mehr Sicherheit für einen Erfolg der Platzierung gewinnen.

BAIC-Chef Xu Heyi hatte im September noch mit Einnahmen aus einem Börsengang von rund 1,6 Milliarden Dollar kalkuliert. Mit dem Geld wolle BAIC das Pkw-Geschäft ausbauen und bald eigene Oberklasse-Modelle auf den Markt bringen. Bisher produziert BAIC als Partner von Daimler und Hyundai deren Modelle in China. Zudem hat der fünftgrößte Autobauer der Volksrepublik mit dem E150 einen eigenen Kleinwagen im Programm.

Seit drei Jahren ist China vor den USA der weltgrößter Automarkt, auf dem Daimler aber - wie weltweit - den deutschen Konkurrenten BMW und Audi hinterher fährt. Daimler hatte im Dezember angekündigt, seine beiden konkurrierenden Vertriebskanäle in China zu bündeln, um künftig gewinnschmälernde Rabatte zu vermeiden. An der neuen gemeinsamen Vertriebsgesellschaft für Import-Fahrzeuge und in China gebaute Mercedes-Autos ist BAIC zur Hälfte beteiligt.

In China verkauft Daimler derzeit etwa jeden sechsten Pkw. Um wieder Anschluss an die weit vorausfahrende Konkurrenz zu finden, hat Daimler mit dem Nutzfahrzeugmanager und früheren Chef der Tuning-Tochter AMG, Hubertus Troska, eigens einen Vorstand für die Geschäfte im Reich der Mitte berufen. "Daimler könnte sich einen Anteil an einem schnell wachsenden Fahrzeughersteller beteiligen, der mit geringen Kosten produziert", sagte NordLB-Analyst Frank Schwope.

An der Börse war in der vergangenen Woche zudem über den Einstieg des staatlichen chinesischen Investmentfonds China Investment Corporation (CIC) spekuliert worden, nachdem im vergangenen Jahr des Staatsfonds Aabar aus dem arabischen Emirat Abu Dhabi bei den Stuttgartern ausgestiegen war. Ein Insider sagte Reuters allerdings, die Gerüchte über einen Einstieg von CIC mit vier bis zehn Prozent entbehrten jeder Grundlage. Größter Daimler-Aktionär ist das Golf-Emirat Kuwait mit 7,6 Prozent der Anteile, im Gegensatz zu BMW und Audi hat bei Daimler kein einzelner Aktionär eine Sperrminorität.

Vor dem Jahreswechsel hatte Daimler bei Investoren in China die Werbetrommel gerührt. In den kommenden Wochen wird mit der Verlängerung des Vertrages von Vorstandschef Dieter Zetsche um weitere drei Jahre gerechnet, obwohl Daimler für das vergangene Jahr - vor allem wegen der Absatzprobleme in China - einen Einbruch des operativen Gewinns um rund eine auf acht Milliarden Euro erwartet. Die Anleger stimmten die Stuttgarter schon auf eine geringere Dividende für 2012 ein: Eine Ausschüttung in Höhe von zwei Euro sei realistischer als die für 2011 gezahlte Dividende von 2,20 Euro, hatte Daimler vor Jahresende dem Finanzmarkt signalisiert.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • .......noch kurz nachgeschoben. Um diesen Laden noch zu retten, natürlich auf für Deutschland (als Aushängeschild der ultimativen Auto-Schmiede in der Welt) sind folgende Maßnahmen durchzuführen..........

    1.) Die Namensgebung wieder in Mercedes-Benz. Den Namen Daimler zu verwenden, nach London seinerzeit zu fahren und ihn dort für teures Geld zu kaufen, ist nicht zu fassen.
    Warum da der Aufsichtsrat nicht eingeschritten ist, ist mir unverständlich. Eine Nachfahre der Benz-Familie hatte seinerzeit dafür plediert den Namen Mercedes-Benz zu lassen, wie wohl sie Recht hat. Sie wurde von Zetsche abgemeiert und nach Hause geschickt.
    2.) Nach der Umbenennung muß an der Spitze in einem leuchtend blauen Overall wieder ein Dr. Dipl.Ing. stehen. Vorne und hinten muß auf dem Overall ein leuchtender Mercedes-Stern von mindestens 35 - 40 cm Durchmesser sichtbar sein. Dieser Overall muß seine Dienstkleidung sein, besonders bei öffentlichen Auftritten, sei es im TV- oder auf öffentlichen Vorstandssitzungen. Der Mann muß von einer exellenten Adresse kommen, die TH inclusive.
    3.) Muß der Laden wieder das werden, was sie als Credo ausgegeben hatte, das Beste oder nichts. Stammt doch dieser Spruch von Flachmann Zetsche. Konnte ihn nie umsetzen, weil sein geistiges Budget dazu nicht ausreichte.
    Diesem Mann sollte man klarmachen, daß er nach Hause gehen soll. Er hat den Laden zu dem gemacht, was er heute ist, in Zusammenhang mit den Oberpfeifen Schremp und Reuter. Ein Hersteller auf der Ebene von Renault und dem asiatischen Industrieplunder. Was für eine Schande.
    4.) Die Firma durch Verkleinerung zu dem machen was sie war, nämlich der Autoladen schlechthin. Aktien im Streubesitz zurückkaufen. Und oben an der Spitze Ingenieure, Strahlemänner, denen man ansieht, daß sie von der Marke überzeugt sind. Aber, daß das Wunschdenken ist, werden die Chinesen die Portokasse öffnen und die Scheine hinblättern. Der letzte Konstrukteur war Prof. Breitschwert, der noch den G mit getestet hat.

  • War Edzard Reuter letztlich der beste Chef bei Daimler?

    Er wollte ein Industriekonglomerat schaffen. Inklusive Bahnindustrie (Adtranz). Breit aufgestellt sein.

    Doch dann kam Schrempp, verkaufte alles (so wurde Bombardier zum größten Bahnhersteller) und leitete die Hochzeit des Verderbens ein.

    Da begann dann der Einstieg in den Abstieg.

    Ich sehe es auch so, dass bei Daimler einiges ins Schwimmen gekommen ist.

    Wie auch in der Politik, so wird man auch in Unternehmen der Öffentlichkeit die Wahrheit lange vorenthalten.

    Die Araber sind schon ausgestiegen. Haben sie es bereits erkannt?

  • BMW hat wirklich gezeigt wie es geht. Was ist ein Auto? Technik, Design und Materialien. Die E-Klasse ist vom Image her zum Handwerkerauto verkommen, wobei Handwerk nichts ehrenrühriges ist, aber für den potentiell wichtigsten Imageträger der Marke Mercedes
    reicht das lange nicht. Und wer würde heute schon eine S-Klasse kaufen, wenn es doch den
    7er gibt?
    Mercedes war mal edel und spiessig, jetzt ist es nur noch spiessig.

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