Bei Daimler-Chrysler erreicht der Skandal um Graumarktgeschäfte den Vorstand.
Der Sumpf unterm Stern

Um überzählige Autos zu verkaufen nutzen Hersteller den Graumarkt. Mercedes-Manager sollen sich dabei persönlich bereichert haben. Die Affäre reicht von der Renovierung einer Finca auf Mallorca auf Firmenkosten bis zum Vorwurf des Meineids in der obersten Firmenriege.

DÜSSELDORF. Er war der Beste aller deutschen Autoverkäufer“, sagt ein Geschäftsfreund über den Mann mit der hohen Stirn, den flinken Augen und der Schwäche für bunte Krawatten. Zehn Jahre lang führte er eine der mächtigsten deutschen Vertriebsorganisationen, bewegte Monat für Monat Millionen, ja Milliarden. „Fürstlich“ sei sein Lebensstil gewesen, erzählen Ex-Mitarbeiter.

Wohl auch deshalb hat sich Eckhard Panka angreifbar gemacht. Mitte Dezember kam das Gerücht auf, der Chef der deutschen Vertriebsorganisation von Daimler-Chrysler habe die Finca seiner Freundin auf Mallorca auf Firmenkosten renovieren lassen. Er zahlte zwar 20 000 Euro Wiedergutmachung. Gehen musste Verkaufsstar Panka dennoch.

Ruhe aber kehrte nicht mehr ein bei Daimler-Chrysler. Weitere Skandale kamen ans Licht. Aus einem Missgriff wird eine Affäre. Seit einigen Tagen frisst sie sich hoch bis in die Vorstandsetage – über Ex-PKW-Vertriebschef Jürgen Fahr bis hin zu Chrysler-Boss Dieter Zetsche, gegen den seit kurzem eine Anzeige anhängig ist wegen uneidlicher Falschaussage und Anstiftung zum Meineid im Zusammenhang mit Graumarktgeschäften. Zetsche gilt als ein Favorit für die Nachfolge von Daimler-Chrysler-Lenker Jürgen Schrempp, dessen Vertrag noch bis 2007 läuft.

Bislang ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen des Verdachts auf Untreue gegen elf Personen, darunter Jürgen Fahr und die Niederlassungsleiter von Hamburg und Leipzig. Ihnen wurde fristlos gekündigt, wie eine Daimler-Sprecherin bestätigte. Ihr Vergehen: Mit so genannten Graumarktgeschäften sollen sie sich persönlich bereichert haben.

Graumarkt, das klingt schmutzig und irgendwie auch illegal. Niemand redet gern darüber, und wer es tut, will nicht erkannt werden. Dabei ist das Geschäft mit Autos, die neben dem offiziellen Händlernetz verkauft werden, gang und gäbe. Seit der Neuregelung des Autohandels durch die EU wird es als Parallelmarkt sogar offiziell gefördert. Wie andere Hersteller versuche auch Daimler, per Graumarktdeals Marktanteile zu halten oder auszubauen, erzählt der Chef eines Traditionsbetriebs im Süddeutschen.

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