Bei der größten Privatisierungsauktion in Russland steigt Conoco-Phillips bei Lukoil ein
Wettlauf um russische Energiekonzerne

Mit dem Einstieg des US-Ölmultis Conoco-Phillips beim russischen Konkurrenten Lukoil setzt sich der Wettlauf westlicher Konzerne um Beteiligungen an russischen Energieunternehmen fort. Bei der bisher größten Privatisierungsauktion eines einzelnen Unternehmens in Russland hat Conoco-Phillips gestern für 1,99 Milliarden Dollar den letzten verbliebenen Staatsanteil von 7,6 Prozent am Primus der russischen Ölbranche bekommen.

MOSKAU. Der drittgrößte amerikanische Erdölförderer folgt damit dem britischen BP-Konzern, der im vorigen Jahr für 7,7 Mrd. Dollar 50 Prozent am Joint Venture TNK-BP gekauft hat, und dem französischen Konkurrenten Total, der sich kürzlich für eine Mrd. Dollar mit 25 Prozent am unabhängigen Gasförderer Novatek beteiligt hat.

Weitere Beteiligungen und Kooperationen mit Russlands Energieriesen haben westliche Konzerne bereits im Visier. Der niederländisch-britische Shell-Konzern verhandelt derzeit mit dem weltgrößten Erdgasförderer Gazprom über eine Beteiligung am großen Stokmanowskoje-Feld in der Barentssee. Shell und US-Weltmarktführer Exxon-Mobil haben zudem milliardenschwere Förderprojekte im Schelf der russischen Pazifikinsel Sachalin in Arbeit. Beteiligungen an russischen Energieunternehmen haben sowohl Exxon-Mobil als auch Chevron-Texaco im Blick.

Pläne auf dem russischen Energiemarkt haben auch deutsche Konzerne. Die Eon-Tochter Ruhrgas, die bereits 6,5 Prozent an Gazprom hält, und die BASF-Tochter Wintershall verfolgen gemeinsame Förderprojekte mit dem russischen Giganten, der bis Jahresende den staatlichen russischen Ölkonzern Rosneft schlucken wird (Handelsblatt vom 29.9.). Zudem soll gemeinsam mit Gazprom eine Ostsee-Gaspipeline von Russland nach Deutschland und dann weiter nach England gebaut werden, und Deutschland hat nach den Worten von Bundeskanzler Gerhard Schröder auch Interesse an der Förderung in der Barentssee.

Diese Ereignisse spielen sich vor dem Hintergrund des Konflikts um den wegen Milliarden-Steuernachforderungen schwer angeschlagenen Ölkonzern Yukos ab, der nach Ansicht von immer mehr westlichen Analysten und Fondsmanagern zerschlagen und an Kreml-nahe Unternehmen überführt werden soll. Der Einstieg von Conoco-Phillips bei Lukoil ist nach Ansicht von Bill Browder, Manager des Russland-Fonds Hermitage Capital, „ein wichtiges Gegengewicht zur Yukos-Saga. Es ist sehr wichtig, dass ein westlicher Ölmulti bereit ist, groß Geld in Russland auszugeben.“

Conoco-CEO James Mulva und Lukoil-Chef Wagit Alekperow kündigten gestern in Moskau zudem eine strategische Partnerschaft an, bei der die US-Beteiligung am größten russischen Ölförderer innerhalb von drei Jahren auf 20 Prozent erhöht werden soll. Conoco bekommt zudem einen Aufsichtsratsposten bei Lukoil und ein Vetorecht bei strategischen Entscheidungen. Der in Houston, Texas, beheimatete US-Konzern will gemeinsam mit Lukoil auch in ein Joint Venture zur Ölförderung in der sibirischen Timano-Petschora-Region investieren. Conoco zahlt dabei weitere 374 Mill. Dollar für eine 30-prozentige Beteiligung. Gemeinsam werde zudem angestrebt, das unter Diktator Saddam Hussein Lukoil zugesprochene irakische Ölfeld West Qurna-2 auszubeuten, heißt es. Mit rund 20 Mrd. Barrel (je 159 Liter) ist es eine der größten Lagerstätten der Welt.

Da Conoco mit einem Preis pro Lukoil-Aktie von 30,76 Dollar unter den Analysten-Erwartungen von 31 Dollar blieb, gab der Lukoil-Kurs gestern leicht nach, während Conoco-Papiere sich verteuerten.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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