Beide Ölmultis haben aber mit einem Rückgang der Produktion zu kämpfen und brauchen neue Funde
Shell und Exxon verdienen prächtig

Nach BP haben auch der niederländisch-britische Ölkonzern Royal Dutch/ Shell sowie der Branchenführer Exxon-Mobil im ersten Quartal ihre Gewinne erheblich steigern können. Shell übertraf die Erwartungen der Finanzmärkte deutlich und auch Exxon glänzte mit guten Zahlen.

LONDON/DÜSSELDORF. Shell übertraf die Erwartungen der Finanzmärkte deutlich und startete mit einem Reingewinn von 6,7 Mrd. Dollar in das neue Jahr. Das war ein Zuwachs von 40 Prozent zu dem bereits glänzenden Vorjahresergebnis. Der Umsatz stieg um 20 Prozent auf gut 90 Mrd. Dollar.

Der US-Konzern Exxon, mit einer Kapitalisierung von fast 300 Mrd. Dollar derzeit das schwerste börsennotierte Unternehmen der Welt, wies einen Nettogewinn von 7,86 Mrd, Dollar aus. Der Umsatz kletterte auf 82 Mrd. Dollar.

Shell, dem zweitgrößten Ölkonzern Europas, gelang es, einen Rückgang der Öl- und Gasproduktion durch höhere Margen im Raffineriegeschäft mehr als wettzumachen. Analysten äußerten sich optimistisch, dass Shell nach der Krise um überzogene Reservenbewertungen über den Berg sei. „Wir setzen unsere Strategie fort, die Öl- und Gasförderung auszuweiten und die Weiterverarbeitung profitabler zu betreiben“, sagte Vorstandschef Jeroen van der Veer.

Im ersten Quartal pumpte Shell insgesamt fünf Prozent weniger Öl- und Gas. Die Rohölproduktion ging dabei stärker zurück als die Gasförderung. Damit lag der Konzern laut van der Veer aber am oberen Ende eigener Erwartungen. Der Gewinn in der Öl- und Gasförderung verbesserte sich dank hoher Preise um neun Prozent. Die Raffinerien steigerten hingegen den Gewinn um 59 Prozent, und das Chemiegeschäft verdoppelte ihn sogar. Shell will sich aber weiterhin von dem gemeinsam mit BASF betriebenen Chemieunternehmen Basell trennen.

Den Rückgang der Ölproduktion sieht der Shell-Chef gelassen. Er beteuerte, der Konzern habe vielversprechende Funde vorzuweisen, so in Nigeria, Norwegen, den USA, Malaysia, den Niederlanden oder Großbritannien. Doch es werde noch dauern, bis daraus bewiesene Reserven würden. Er mochte sich daher auch nicht optimistischer als „einigermaßen zuversichtlich“ äußern, dass Shell bald wieder Reserven in Höhe einer Jahresproduktion nachweisen kann.

Auf seiner Jagd nach neuen Resourcen musste Shell zuletzt aber auch Rückschläge hinnehmen. So gewann Konkurrent Exxon gegen Shell und BP kürzlich den Wettbewerb um ein 20 Mrd. Barrel großes Ölfeld in Abu Dhabi – die bisher größte Konzession in der Region (ein Barrel entspricht 159 Liter). Die omanische Regierung drängt Shell zudem, auf zehn Prozent ihres Anteils an Omans größtem Öl- und Gasfeld zu verzichten.

Auch Exxon kämpft gegen schrumpfende Produktion: Die Öl-Förderung sank gegenüber dem Vorjahresquartal um fünf Prozent. Neue Felder in Westafrika und Norwegen hätten den Rückgang in fast ausgeschöpften Vorkommen nicht wettgemacht, erklärte der Konzern.

Shell-Finanzchef Peter Voser wies den Ruf nach höheren Investitionen zurück. „Wir könnten nicht plötzlich zehn Mrd. Dollar mehr in die Exploration stecken“, sagte er. Shell müsse eine Balance zwischen den Interessen der Aktionäre und den Investitionen in neue Vorkommen finden. 2005 will der Konzern bis zu 15 Mrd. Dollar an die Aktionäre ausschütten und rund 8,5 Mrd. Dollar investieren. Die Verschmelzung des niederländischen und des britischen Konzernteils befinde sich auf gutem Wege, sagte van der Veer. Im Mai werde den Aktionären ein Vorschlag vorliegen.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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