Beihilfestreit beginnt wieder
Airbus braucht Subventionen für A350

Mit einer vollständig neuen Version seines Langstrecken-Modells A350 will der europäische Flugzeugbauer Airbus dem US-Konkurrenten Boeing Paroli bieten. Doch weil das neue Modell teurer wird als die ursprünglich geplante Weiterentwicklung eines bestehenden Typs, will Airbus nun – anders als geplant – Staatsbeihilfen in Anspruch nehmen.

HB FARNBOROUGH. Airbus bemühe sich um staatliche Unterstützung und Beihilfen, kündigte Verkaufschef John Leary am Montag auf der Luftfahrtschau im britischen Farnborough an. Vor dem Hintergrund des Beihilfestreits zwischen der USA und Europa hatte Airbus für die erste Version des A350 zwar Beihilfen beantragt, aber erklärt, diese nicht beanspruchen zu wollen. Nach dem Scheitern der ersten Version betragen die Entwicklungskosten nach Airbus-Angaben rund zehn Milliarden US-Dollarund damit gut doppelt so viel wie ursprünglich veranschlagt.

Auf der weltweit wichtigsten Luftfahrtschau des Jahres in Farnborough bei London hat Airbus am Montag die mit Spannung erwartete, in A350 XWB (Extra Wide Body) umbenannte Flugzeugfamilie präsentiert. Die Modellpalette wird um eine dritte Variante erweitert, kommt aber erst 2012 - zwei Jahre später als geplant - auf den Markt.

Der erste Entwurf des A350 war bei den Kunden auf herbe Kritik gestoßen und galt deshalb als nicht wettbewerbsfähig. Mit dem besonders breiten Flugzeugrumpf weicht Airbus erstmals von seinem charakteristischen Standard-Design ab, um den Wünschen der Kunden entgegen zu kommen und den Passagieren mehr Platz zu bieten. Cockpit und Elektronik sollen vom Airbus A380 übernommen werden.

Mit der neuen zweistrahligen Flugzeugfamilie will Airbus nicht nur der neuen Boeing 787 „Dreamliner“, die 2008 und damit vier Jahre früher auf den Markt kommen soll, Konkurrenz machen, sondern auch der bestehenden, größeren Boeing 777. Wegen der hohen Kerosinpreise hatte im vergangenen Jahr mehr von der zweistrahligen 777 verkauft als Airbus von seinem vierstrahligen A340.

Für den offiziellen Verkaufsstart des A350-Programms bat der seit zwei Wochen amtierende Airbus-Chef, Christian Streiff, um drei Monate Zeit. „Wir müssen in dieser kritischen Zeit schnell, dürfen aber nicht vorschnell handeln“, sagte er.

Die 14 Fluggesellschaften, die insgesamt 182 „alte“ A350 bereits geordert haben, können nun neu entscheiden. Verkaufschef John Leahy rechnet damit, dass allenfalls einer oder zwei Kunden abspringen.

Einen Teil der Milliardenkosten will Airbus über staatliche Darlehen finanzieren. Über die Summe und die Art der Beihilfen müsse aber noch beraten werden, sagte Streiff. Die USA und die EU streiten seit langem über Subventionen für Flugzeugbauer, den Streiff eigenen Aussagen zufolge aber nicht neu aufheizen will.

Airbus kündigte in Farnborough zudem Konsequenzen aus den Problemen mit der verzögerten Erstauslieferung des A380 an. Die A380-Kunden sollen so schnell wie möglich einen neuen Zeitplan bekommen. Auf Grund von Schwierigkeiten mit der Bordelektronik hatte Airbus vor wenigen Wochen mehrmonatige Lieferverzögerungen für das größte Passagierflugzeug der Welt angekündigt, was den Aktienkurs des Mutterkonzerns EADS schwer belastete. Am Montag notierte die EADS-Aktie nahezu unverändert bei 20,66 Euro.

Unterdessen räumte auch Boeing Verzögerungen bei der 787 „Dreamliner“ ein. In einigen Bereichen liege Boeing hinter dem Plan zurück. Am Plan des Erstflugs Mitte des kommenden Jahres und an der Auslieferung ab 2008 ändere sich aber nichts. In den vergangenen fünf Jahren hatte Airbus bei Flugzeugbestellungen stets die Nase vor Boeing. Dies könnte sich in diesem Jahr aber ändern. Während bei Airbus - auch wegen des Flops mit dem A350 - im ersten Halbjahr 117 Bestellungen eingingen, verbuchte Boeing bis Anfang Juli 480 Aufträge. Allein am Montag meldete Boeing Aufträge für 60 Maschinen mit Listenpreisen von insgesamt knapp zehn Mrd. Dollar.

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