Beihilfestreit mit Boeing
Airbus verzichtet auf Staatsmittel

Der europäische Flugzeugbauer Airbus strebt eine Entschärfung des Beihilfestreits mit seinem US-Rivalen Boeing an. Airbus verzichtet bei seinem neuen Langstreckenflugzeug A350 bis auf weiteres auf staatliche Anschubkredite, fordert im Gegenzug aber ähnlich deutliche Zugeständninsse von Boeing.

ali/ebe/tom PARIS/FRANKFURT. „Ich erwarte, dass unsere Botschaft verstanden wird und zu einem Verzicht auf der US-Seite führt“, betonte Noël Forgeard, Co-Vorstandschef des Airbus-Mutterkonzerns EADS, in einem Handelsblatt-Interview. Der andauernde Beihilfestreit sei schädlich für die gesamte Industrie, ergänzte Forgeard, der Airbus in den vergangenen Jahren an die Weltspitze des zivilen Flugzeugbaus gebracht hatte.

Gestern gab der EADS-Verwaltungsrat offiziell den Startschuss für die A350. Die Entwicklungskosten des neuen Flugzeugprogramms belaufen sich auf 4,35 Mrd. Euro. Einige Branchenexperten sehen in dem vorläufigen Verzicht auf weitere Staatshilfen auch ein taktisches Manöver vor dem Hintergrund, dass EADS mit Macht den Einstieg ins lukrative US-Militärgeschäft sucht. Der Konzern sei „an guter Publicity interessiert“, schrieb die Hypo-Vereinsbank in einer Studie. Immerhin steht ein Großauftrag der US-Luftwaffe zum Bau von Tankflugzeugen an, bei dem Airbus ein weiteres Boeing-Monopol brechen will: Ein Deal wie dieser, der über einen Zeitraum von 30 Jahren bis zu 100 Mrd. Dollar einbringen könnte, überstrahlt all das, was sich Airbus und Boeing an gegenseitigen Staatshilfen vorwerfen.

Airbus hatte bislang traditionell rund ein Drittel seiner Entwicklungskosten als rückzahlbare Anschubfinanzierung aus den Haushalten der EU-Staaten Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Spanien erhalten. Auch bei der A350 hatten die Regierungen die Starthilfen bereits grundsätzlich gebilligt. Der zweistrahlige Jet soll der neu konzipierten Modellfamilie Boeing 787 (Dreamliner) Konkurrenz machen, die 2008 einen Generationswechsel im Massenmarkt der 200- bis 300-Sitzer einleiten wird.

Das Airbus-Konkurrenzmodell A350 steht im Zentrum eines seit Monaten erbittert geführten Streits zwischen den USA und der Europäischen Union um staatliche Hilfen im Flugzeugbau. Die USA kritisieren, dass Airbus die Anschubkredite für die Entwicklung neuer Flugzeugtypen nur dann zurückzahlen muss, wenn das Programm ein kommerzieller Erfolg wird. Laut Boeing habe Airbus für Modelle wie den doppelstöckigen Riesenjet A380 mehrere Milliarden dieser als unfair erachteten Hilfen erhalten.

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