Beim Projekt Nabucco explodieren die Kosten
Pipeline-Kosten erhöhen sich drastisch

Die vom Essener Energiekonzern RWE und fünf anderen europäischen Unternehmen geplante Gaspipeline Nabucco wird mehr als drei Milliarden Euro teurer als angenommen. Das Konsortium teilte am Donnerstag mit, die Röhre vom Kaspischen Meer nach Österreich werde voraussichtlich knapp acht Milliarden Euro kosten. Ursprünglich waren 4,6 Milliarden Euro veranschlagt worden.

rtr WIEN. "Stahl, Rohre und Kompressoren sind teurer geworden", sagte Nabucco-Projektchef Reinhard Mitschek Reuters. Die Pipeline bleibe aber wirtschaftlich, die Finanzierung der höheren Kosten sei kein Problem. Die steigende Nachfrage nach Energieträgern führe zu höheren Gaspreisen und Transporttarifen.

Mitschek sagte, er gehe davon aus, dass die Entscheidung über den Bau wie vorgesehen in den ersten Monaten des nächsten Jahres gefällt werde. 2010 solle mit dem Bau begonnen werden, 2013 soll erstmals Gas durch die 3300 Kilometer lange Röhre strömen.

An dem Projekt sind neben RWE der österreichische Ölkonzern OMV, die ungarische MOL, die türkische Botas, die bulgarische Bulgargaz und die rumänische Transgaz beteiligt.

Das Projekt wird von der Europäischen Union (EU) unterstützt, die damit die Abhängigkeit von russischem Gas verringern will. RWE war im Februar in das Konsortium eingestiegen.

"Die höheren Kosten ändern nichts an unserem Bekenntnis zu Nabucco. Die Pipeline ist ein wichtiger Eckpfeiler der europäischen Gasversorgung", sagte ein RWE-Sprecher. Auch andere Pipeline- und Infrastrukturprojekte seien von steigenden Energie- und Materialkosten betroffen. Bei Nabucco werden zwei Millionen Tonnen Stahl, 200.000 Pipeline-Rohre und rund 30 Kompressoren verbaut.

Mit einer Kostenexplosion haben auch die Betreiber der geplanten Ostsee-Pipeline zu kämpfen. Die von Eon, BASF und Gazprom geplante Leitung wird nach den letzten Schätzungen 7,4 Milliarden Euro kosten, nachdem zunächst fünf Milliarden angepeilt worden waren.

Nabucco-Projektchef Mitschek sagte, bis Ende des Jahres solle klar sein, welche Produzenten Gas einspeisen und welche Kunden Gas beziehen. "Das ist ein mehrstufiger Prozess. Bis Mitte Juni sondieren wir den Markt. Danach wird es mehr und mehr verbindlich." Sowohl Produzenten als auch Abnehmer könnten ihre Wünsche zu Kapazitäten, Einspeise- und Entnahmepunkten äußern. Für die Eigentümer ist die Hälfte der Pipeline-Kapazität - rund 15 Milliarden Kubikmeter - reserviert.

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