Bekleidungshersteller bieten Einzelhandel Paroli
Die Mode zieht es auf die Straße

Gerry Weber fällt auf in der Bielefelder Altstadt. Ein hohes helles Gebäude ganz aus Stahl und Glas. Dass es früher einmal das Atrium-Kino war, verraten im Innern nur noch die sechs Meter hohen Decken, getragen von breiten Säulen. In den Nischen und Emporen stehen Schaufensterpuppen. 1999 eröffnete der Modekonzern Gerry Weber International im Westfälischen sein erstes „House-of-Gerry-Weber“.

HB DÜSSELDORF. Einheimische Gefilde und Prestigegebäude wie das zwei Jahre später eröffnete Haus am Kürfürstendamm in Berlin hat das Unternehmen längst hinter sich gelassen. Inzwischen gibt es weltweit 100 „Houses-of-Gerry-Weber“ und bis Herbst diesen Jahres sollen es 150 sein. Allein in Deutschland sind zwölf weitere geplant – unter anderem in Dessau, Kassel und Erfurt.

Auch andere Modehersteller bieten der Konsumflaute mit eigenen Läden Paroli. Und das geht über einzelne Vertriebs-Flaggschiffe weit hinaus. Hugo Boss plant dieses Jahr 22 neue Läden, More & More aus Starnberg will den bisher 26 eigenen Geschäften in Deutschland neun weitere hinzuzufügen.

Marc O’Polo verdichtet sein Netz von 20 auf 24. Der Modehersteller aus Stephanskirchen baut seit Jahren auf mehr eigene Geschäfte. „Durch eigene Läden sind wir schon auf der Straße präsent, nicht erst im Laden oder beim Blick auf das Etikett“, sagt der Vertriebsvorstand bei Marc O’Polo, Alexander Gedat.

Es ist aber nicht nur die höhere Präsenz, die die Modeindustrie auf die Straße zieht. In den „Houses-of-Gerry-Weber“ ist dem Unternehmen zufolge der Umsatz wesentlich höher als in Kauf- und Modehäusern. Dort mangelt es Branchenkennern zufolge oft an Beratung.

Zudem können Modemacher in eigenen Häusern komplette Kollektionen einschließlich der Accessoires präsentieren. „Eine Markenwelt zu schaffen, ist das Ziel vieler Hersteller“, sagt Jürgen Hillebrand, Geschäftsführer der Unternehmensberatung MPC aus Düsseldorf.

Bei ihrer Expansion sind die Modehersteller aber auch Getriebene vertikaler Modeketten. H&M, Es-prit und Zara machen vom Entwurf über die Produktion bis zum Verkaufstresen alles selber. Durch den direkten Informationsfluss können sie schnell auf Trends reagieren.

„Die Vertikalen sind die Benchmark bei der Geschwindigkeit der Umsetzung“, erklärt Alfred Haar, geschäftsführender Gesellschafter der auf Mode spezialisierten Unternehmensberatung Hachmeister & Partner. Die klassischen Modehersteller passen sich den Konzepten der Modeketten an. Statt wie früher zwei Kollektionen für Herbst/Winter und Frühling/Sommer zu schneidern, bringen sie heute mindestens vier Kollektionen heraus.

Seite 1:

Die Mode zieht es auf die Straße

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%