Belegschaft befürchtet neuen Stellenabbau
Heideldruck streitet über Sparprogramm

Berichte über Protestversammlungen der Arbeitnehmer wegen eines geplanten Sparpaketes haben bei der Aktie der Heidelberger Druckmaschinen AG zu überdurchschnittlichen Kursverlusten geführt. Das Papier verlor am Donnerstag rund 1,5 Prozent und gehörte damit zu den Tagesverlierern im M-Dax.

gil DÜSSELDORF. Analysten wie Richard Schramm von HSBC Trinkaus & Burkhardt oder Peter Metzger von M.M. Warburg senkten ihre Prognosen für die Aktie.

Der Vorstand des weltweit größten Herstellers von Druckmaschinen verhandelt seit Februar mit den Arbeitnehmervertretern über die Senkung von tariflichen und außertariflichen Leistungen. Nach Angaben aus Gewerkschaftskreisen will Heideldruck die Lohnkosten um 130 Mill. Euro senken. Am Mittwoch war die IG Metall mit einem Flugblatt an die Öffentlichkeit gegangen und hatte sich über den schärferen Sparkurs, der nun 100 statt 130 Mill. Euro erbringen soll, empört. Auf Informationsversammlungen protestierten die Beschäftigten an den deutschen Standorten gegen die von ihnen so empfundene Erpressung des Vorstands, der bei einer Ablehnung des Sparpakets mit dem Abbau von 1 000 Stellen gedroht haben soll.

Ein Sprecher von Heidelberg bestätigte die Verhandlungen, wollte sich aber zum Stand und zum Volumen des geforderten Sparpaketes nicht äußern. Es habe in der Vergangenheit immer einvernehmliche Lösungen gegeben und der Vorstand strebe dies auch jetzt an. Bei dem Unternehmen gilt bisher die 35-Stunden-Woche, es sind aber bereits Arbeitszeitkonten eingeführt worden. Die Verhandlungen gingen gestern weiter.

Wie die gesamte Druckmaschinen-Sparte war Heidelberg in den vergangenen Jahren tief in die roten Zahlen gerutscht, hatte die Sparte Zeitungsdruck an den Wettbewerber Goss aus den USA verkauft und über 6 000 Stellen gestrichen.

Seit dem Herbst schreibt der Konzern wieder Gewinne. Das neuerliche Sparpaket soll die Lohnkosten senken und, so der Unternehmenssprecher, höhere Kosten durch verteuerte Rohstoffe und Nachteile gegenüber den Wettbewerbern aus Japan aufgrund des starken Euro ausgleichen.

Nach Ansicht von Analyst Schramm hat Heideldruck Nachholbedarf bei der Senkung der Lohnkosten. MAN Roland hat sich bereits 2004 mit den Beschäftigten im Stammwerk Offenbach auf ein Sparprogramm geeinigt und dafür eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2006 gegeben. Das defizitäre Werk für Bogendruck in Geisenheim mit 314 Beschäftigten wird allerdings geschlossen.

Der Konkurrent Koenig & Bauer in Würzburg hat nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden Gottfried Weippert flexible Arbeitszeiten mit Gleitzeitkonten eingeführt und dafür eine Standortsicherung bis Mitte 2007 gegeben. Hier hatte die Krise zur Schließung der Werke in Berlin und Kusel geführt – verbunden mit dem Abbau von 400 Stellen.

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