Belgiens Chemiegruppe wird zum wichtigen Spieler auf dem Markt für Herz-Kreislaufmittel
Solvay baut mit Fournier seine Pharmasparte kräftig aus

Mit dem Erwerb des französischen Konkurrenten Laboratoires Fournier für 1,3 Mrd. Euro verschafft sich das Chemie- und Pharmaunternehmen Solvay SA Zugriff auf eine viel versprechende Palette von neuen Arzneiwirkstoffen.

DÜSSELDORF. Darunter ist der Kassenschlager Tricor, ein Kreislauf-Medikament, das Fournier mit dem US-Konzern Abbott Inc. vermarktet und das in diesem Jahr weltweit eine Milliarde Euro Umsatz erreichen könnte. Damit wird der belgische Konzern nach Einschätzung von Analysten ein wichtiger Spieler auf dem Markt für Herz-Kreislaufmedikamente.

„Der Kauf von Fournier war eine exzellente Gelegenheit, unser Umsatz- und Ertragswachstum zu beschleunigen“, sagte Aloïs Michielsen, Vorstandschef von Solvay, die im vergangenen Jahr 756 Mill. Euro operative Erträge aus 7,9 Mrd. Euro Erlösen erzielte. Pharma trug knapp die Hälfte der Gewinne und weniger als ein Drittel der Umsätze bei. „Und das wird noch ganz andere Formen annehmen, wenn sich das volle Potenzial unserer gemeinsamen Produktpipeline zeigt.“ Synergieziele will Michielsen aber erst nach Abschluss der Übernahme im Sommer nennen.

Die Investoren begrüßen die Transaktion. Solvays Aktienkurs stieg zeitweise um gut vier Prozent auf Werte um 90,85 Euro. „Mit dem Deal schafft es Solvay, sich bei den Pharmaherstellern wieder auf die Landkarte zu setzen“, sagte Jan van den Bosche, Analyst beim Broker Petercam in Brüssel. Solvay habe sich ja eine Pharma-Übernahme zum Ziel gesetzt, sagt sein Kollege Andreas Heine von der Hypovereinsbank. „Was mich überrascht, ist, dass es sich im Vergleich zu Solvays altem Pharmageschäft um eine sehr große Akquisition handelt.“ Solvays durch Fournier ergänzte Pharmasparte ist mit 2,2 Mrd. Euro Umsatz etwa so groß wie die Arzneimittelsparte der Altana AG – die drei Firmen kooperieren in Kanada.

Selbst der Preis für die bisher in Familienbesitz befindliche Fournier, zu dem noch bis zu 300 Mill. Euro erfolgsabhängige Zahlungen kommen können, rief die Kritiker nicht auf den Plan. „Der Preis ist vernünftig und genau auf der Linie der Pharmabewertungen“, sagte Analyst Wim Hoste von KBC Securities. Solvay zahlt das 2,7-fache des Umsatzes für den forschenden Pharmahersteller Fournier, während Novartis das 3,8-fache des Umsatzes für Hexal gezahlt hat, der Kopien patentfreier Mittel herstellt.

Der Deal ist nach den Worten von Solvay-Chef Michielsen Teil der Umstrukturierung des Konzerns, der früher eher für Plastik und Chlor als für Medikamente bekannt war. „Wir haben in fünf Jahren rund sechs Milliarden Euro aus unserem Portfolio verkauft, gekauft oder in Joint Ventures eingebracht“, sagte er. Erst im Januar hatte Solvay für rund 75 Mill. Euro die schwedische Firma Neopharma AB gekauft und die Produktpalette so um einen Wirkstoff gegen Parkinson erweitert.

Durch den Zukauf werden Herz-Kreislauf-Mittel nun mit über 600 Mill. Euro Umsatzbeitrag das größte Arbeitsgebiet von Solvays Pharmasparte. Jeweils rund 500 Mill. Euro erlösen die Medikamente gegen Magen-Darm-Erkrankungen und Hormone, 300 Mill. Euro bringen Mittel gegen Nervenleiden ein rund 100 Mill. Euro Solvays Präparate zur Behandlung des Immunsystems. Damit zielt der Konzern, der künftig 370 Mill. Euro pro Jahr für Forschung ausgeben will, auf lukrative Segmente des Pharmageschäfts.

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