Belgische UCB legt Angebot vor
Schwarz Pharma wechselt den Besitzer

Die Spekulationen vom Wochenende haben sich bewahrheitet: Der belgische Pharmakonzern UCB hat ein Übernahmeangebot für Schwarz Pharma in Höhe von 4,4 Mrd. Euro vorgelegt. Die Eigentümerfamilie hat das Geschäft bereits abgesegnet. Und auch die übrigen Aktionäre dürften zustimmen, sind die Konditionen doch verlockend.

HB FRANKFURT. UCB bietet 50 Euro in bar und 0,8735 eigene Aktien für jedes Schwarz-Pharma-Papier, wie die beiden Unternehmen am Montag mitteilten. Das entspreche einem Wert von 91,10 Euro für jede der im MDax gelisteten Schwarz-Pharma-Aktien. Der Xetra-Schlusskurs vom Freitag lag bei 75,65 Euro. Die Übernahmespekulationen, in deren Rahmen auch Branchenriese Pfizer als potenzieller Käufer genannt worden war, hatten das Papier bereits verteuert. In Finanzkreisen war allerdings von einem Kaufpreis nahe 5 Mrd. Euro ausgegangen worden, was das Einzelpapier mit rund 100 Euro bewertet hätte.

Die Familie Schwarz-Schütte, die rund 60 Prozent der Anteile des Unternehmens aus Monheim im Rheinland besitzt, hat sich sich zur Annahme des Angebots verpflichtet. Sie erklärte sich bereit, bis 2010 mindestens 41,5 Prozent der UCB-Aktien zu behalten, die sie im Zuge des Verkaufs erhält. Vorstand und Aufsichtsrat hätten dem Angebot zugestimmt; die Aufsichtsbehörden müssen dies noch tun.

Gemeinsam kommen beide Unternehmen auf einen Umsatz von 3,3 Mrd. Euro im Jahr und ein Forschungsbudget von 770 Mill. Euro. Innerhalb von drei Jahren sei mit Synergien von insgesamt 300 Mill. Euro zu rechnen. Schon nach zwei Jahren sollen die positiven Effekte aus der Übernahme die Kosten und Goodwill-Abschreibungen übersteigen.

Wandel zum forschenden Pharmaunternehmen

Obwohl Schwarz Pharma 2005 bei einem Umsatz von 990 Mill. Euro einen Verlust auswies, wird das Unternehmen an der Börse fast mit dem Vierfachen des Jahresumsatzes bewertet. In der Branche gilt der Konzern wegen seiner relativ gut gefüllten Entwicklungspipeline als attraktiver Übernahmekandidat; derzeit hat Schwarz Pharma drei neue Wirkstoffe im fortgeschrittenen Entwicklungsstadium. Das Unternehmen hatte sich in den vergangenen Jahren von einem Generika-Unternehmen zum Hersteller selbst entwickelter Medikamente gewandelt, was sich aber erstmal negativ auf das Ergebnis auswirkte. Im laufenden Jahr soll aber wieder Gewinn gemacht werden.

Die Brüsseler UCB hat sich unter anderem auf Medikamente gegen Allergien, gegen Erkrankungen des zentralen Nervensystems, Atemwegsbeschwerden sowie gegen Krebs spezialisiert. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 8 300 Mitarbeiter in 40 Ländern und gehört zu rund 42 Prozent der belgischen Beteiligungsfirma Financiere de Tubize.

Mit dem Verkauf von Schwarz Pharma setzt sich die Konzentrationswelle unter den kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Pharmabranche fort. Erst am Donnerstag hatte der Bad Homburger Pharma- und Spezialchemiekonzern Altana den Verkauf seines Pharmageschäfts an den dänischen Arzneimittelhersteller Nycomed bekannt gegeben. Der Darmstädter Pharmakonzern Merck KGaA hat angekündigt, das schweizerische Biotech-Unternehmen Serono zu übernehmen.

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