Belgischer Bierriese bleibt weiter durstig
Brauer wappnen sich gegen Interbrews Expansionsgelüste

Der Braukonzern Interbrew hält mit seinem Expansionsdrang die deutschen Wettbewerber weiter in Atem. Die deutschen Brauer wappnen sich gegen weitere Übernahmeglüsste des belgischen Bierriesen.

HANNOVER/KÖLN. „Die Geschwindigkeit, mit der die Belgier in Deutschland wachsen, ist beachtlich“, sagt Bernhard Schadeberg, geschäftsführender Gesellschafter der Krombacher Brauerei. „Interbrew wird in Deutschland weiter zukaufen“, ist sich Schadeberg sicher. Im Portfolio des Biermultis fehle noch eine westdeutsche Marke. Doch weder Krombacher noch Warsteiner, Veltins oder Bitburger stünden derzeit offiziell zum Verkauf.

Die gemeinsame Übernahme des Getränkelogistikers Trinks durch Krombacher, Warsteiner und Radeberger bezeichnet Schadeberg in diesem Zusammenhang als rein „defensive Maßnahme“, um Biermultis wie Interbrew zuvorzukommen. Die drei deutschen Brauereien hatten Ende der vergangenen Woche die Mehrheit an Trinks von dem Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé übernommen. Den eigenen Marken werde man aber keinen Vorzug bei der Belieferung des Handels geben. „Wir bleiben neutral“, beteuert Schadeberg.

Interbrew hat sich nach der Übernahme der Münchner Spaten-Gruppe bei seiner Expansion in Deutschland angeblich eine Atempause verordnet. „Wir werden unsere deutschen Marken jetzt vernünftig koordinieren“, sagte Interbrew-Deutschland-Chef Michael Beck dem Handelsblatt. Nach der Übernahme der Marken Löwenbräu, Franziskaner und Dinkelacker dementieren die Belgier ein Interesse an den derzeit noch zum Verkauf stehenden Braugruppen Holsten und Brau und Brunnen. Mittelfristig schließen die Belgier weitere Zukäufe aber nicht aus.

Mit den kürzlich erworbenen süddeutschen Brauereien sowie den Marken Beck’s, Hasseröder und Diebels verfüge man über eine „optimale Sortimentsqualität“, so Beck. Der viertgrößte Braukonzern der Welt (Stella Artois, Bass) kommt in Deutschland auf einen Umsatz von mehr als 1 Mrd. Euro und verfügt über einen Marktanteil von knapp 11 %. Nach Interbrew-Angaben entwickelt sich das Deutschland- Geschäft trotz der Einbußen des Gesamtmarktes durch das Einwegpfand erfreulich. „Hasseröder wird bis zum Ende des Jahres beim Absatz 3 % und Beck’s gar 5 % zulegen“, kündigte Beck an.

Bei dem bevorstehenden Verkauf der Hamburger Holsten- Gruppe räumten Branchenexperten auf der Kölner Ernährungsmesse Anuga dem britisch- amerikanischen Konzern SAB–Miller die größten Chancen ein.

Die weltweite Nummer eins, Anheuser-Busch, ist unterdessen zunächst bei ihren Versuchen gescheitert, die tschechische Premium-Marke Budweiser zu übernehmen. Das Budweiser- Management unter Jiri Bocek hatte sich dem Werben des US-Konzerns in diesem Sommer erheblich widersetzt, wie die Tschechen auf der Anuga durchblicken ließen. Jedoch wird eine Privatisierung des Nationalbetriebes über kurz oder lang nicht zu verhindern sein. Einen entsprechenden Beschluss hatte das tschechische Parlament bereits 1992 gefasst.

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