BenQ Mobile auf Investorensuche
Insolvenzverwalter verhandelt bis zur letzten Minute

Martin Prager gibt nicht auf: Der vorläufige Insolvenzverwalter des Münchener Handyproduzenten BenQ Mobile werde notfalls auch noch an Silvester mit Investoren verhandeln, um das schwer angeschlagene Unternehmen zu retten, sagte am Mittwoch ein Sprecher des Juristen.

HB MÜNCHEN. Noch sei „alles offen“, erklärte der Sprecher. Die Verhandlungen mit mehreren Interessenten liefen weiter. Allerdings wird die Zeit jetzt sehr knapp. Bis spätestens Sonntag muss Prager einen Käufer finden, denn nur so lange bekommen die Mitarbeiter noch das gesetzlich garantierte Insolvenzgeld. Danach müsste er BenQ Mobile schließen, da das Unternehmen tief rote Zahlen schreibt. Woran es in den Gesprächen hakt, wollte der Sprecher nicht sagen. In den vergangenen Tagen wurde spekuliert, dass zahlreiche Patent- und Namensrechte ungeklärt seien. Auch die Finanzierung des Kaufs sei schwierig, hieß es.

Ob es zu einem Vertragsabschluss kommt, ist deshalb sehr fraglich. Bereits vor Weihnachten hatte Prager die Wahrscheinlichkeit auf maximal 50 Prozent beziffert. In jedem Fall muss ein Investor so viel auf den Tisch legen, wie der Insolvenzverwalter bekommen würde, wenn er BenQ Mobile zerschlägt. Verschenken kann Prager das Unternehmen nicht.

BenQ Mobile hat Ende September Insolvenz angemeldet, nachdem die Konzernmutter BenQ die Überweisungen an die hoch defizitäre Tochter in Deutschland einstellte. Deshalb verlieren jetzt 1 900 von ehemals 3 000 Mitarbeitern in jedem Fall ihren Job. Die restlichen Beschäftigten können weiterarbeiten, falls sich bis Sonntag ein Käufer findet. Mehr als 400 Leute haben bereits einen neuen Arbeitgeber gefunden. Nach den Plänen Pragers soll sich BenQ Mobile künftig darauf konzentrieren, Handys im Auftrag Dritter zu entwickeln, zu designen und in kleinem Umfang auch zu produzieren.

BenQ Mobile war eine der spektakulärsten Pleiten des zu Ende gehenden Jahres. Sie sorgte auch deshalb für viel Aufsehen, weil das Unternehmen bis Sommer 2005 ein Teil von Siemens war. Dann verkaufte der neue Konzernchef Klaus Kleinfeld seine verlustreiche Handysparte an den Taiwaner Elektronikkonzern BenQ. Betroffen war ein Werk in Kamp-Lintfort, eine Außenstelle in Bocholt und die Zentrale in München. Die Asiaten bekamen das Geschäft aber nie in den Griff und zogen schließlich Ende September die Notbremse, als die roten Zahlen den gesamten Konzern gefährdeten.

Zunächst Siemens und zuletzt BenQ haben es damit in kürzester Zeit geschafft, den einst viertgrößten Handyhersteller der Welt gegen die Wand zu fahren. Noch vor drei Jahren verkaufte Siemens im Weihnachtsquartal elf Mill. Mobiltelefone. Im dritten Quartal diesen Jahres setzten BenQ und seine deutsche Tochter BenQ Mobile gerade noch sechs Mill. Stück ab.

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