Berater helfen bei der Standortsuche
Niedrige Kosten sind nicht alles

Im Januar 2002 entscheidet sich der Konsumgüterkonzern Gillette, eine neue Fabrik für Rasierer und Klingen in Europa zu bauen. Doch wo? Gillette-Manager Nei Eduardo stellt mit seinen Kollegen die Anforderungen an den neuen Standort zusammen:

LONDON. Gute politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen, passende Infrastruktur, gute Anbindung an die großen Märkte, Qualität und Verfügbarkeit von Arbeitskräften, Stromversorgung, Grundstückskosten – der Wunschzettel ist lang. Fast vier Jahre später, im Dezember 2005, weiht Gillette die neue Fabrik ein: 92 000 Quadratmeter groß steht sie bei Lodz und gibt mehr als 1 000 Menschen Arbeit. Von hier aus sowie aus der älteren Fabrik in Berlin beliefert der inzwischen von Procter & Gamble übernommene Konzern ganz Europa, den Nahen Osten, Nordafrika und Südostasien.

Den Ausschlag für den polnischen Standort hat die Balance von niedrigen Kosten und gut ausgebildeten jungen Menschen gegeben, erzählt Eduardo. „Wir brauchen Leute, die fähig sind, sich an neue Technologien anzupassen“, sagt er, „zum Beispiel Elektriker, die lernen können und wollen, wie sie mit Elektronik und Mechanik umgehen.“ Lodz als Region mit guten Schulen und Hochschulen biete solche Mitarbeiter. Auch der zum französischen Ölkonzern Total gehörende Kunststoffverarbeiter Hutchinson hat aus ähnlichen Gründen in der Region bereits mehrere Werke gebaut.

Gerade weil es nicht nur um die Kosten geht, holen sich Unternehmen häufig Berater ins Haus, die bei der Suche nach passenden Standorten helfen. Eine kleine Szene spezialisierter Standortberater profitiert vom allgegenwärtigen Druck zur Optimierung der Lieferketten. Sie haben den Überblick, welche Länder und Regionen welche Arbeitsbedingungen bieten – und vor allem können sie abschätzen, wie sich Standorte entwickeln. Schließlich baut man eine Fabrik für Jahrzehnte.

„Entscheidend für die Suche ist die Frage: Wie wird sich der Standort künftig entwickeln, und welche Bedeutung hat diese Entwicklung für das Ansiedlungsprojekt?“ sagt Roel Spee, Leiter Internationale Standortstrategien bei der Beratungssparte von IBM Global Business Services. Seine Brüsseler Mannschaft hat Eduardo geholfen, aus 23 Ländern Polen und dann Lodz herauszufiltern.

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