Berater sollen Steueroasen-Missbrauch gefördert haben
US-Staatsanwalt ermittelt gegen Ernst & Young

Die New Yorker Staatsanwaltschaft hat gegen Ernst & Young Ermittlungen eingeleitet. Der drittgrößte US-Wirtschaftsprüfer steht unter dem Verdacht, den Missbrauch von Steueroasen gefördert zu haben.

aug/wsj NEW YORK. Bereits vor einem Jahr hatte Ernst & Young der Steuerbehörde Internal Revenue Service (IRS) in dieser Angelegenheit einen Ausgleich in Millionenhöhe gezahlt.

Die neue Untersuchung zeigt, wie ernst die US-Regierung ihre Kampagne gegen Steuerbetrug nimmt. Am Pranger stehen unter anderem Wirtschaftsprüfer, Kanzleien und Finanzhäuser. Mit ihrer Hilfe sollen zweistellige Milliardenbeträge in der Boomphase der späten 90er die Staatskasse umgangen haben.

Die Ermittlungen gegen Ernst & Young sind noch in einem frühen Stadium. „Wir sind – wie auch bei vorherigen Untersuchungen – sehr kooperativ“, sagte ein Ernst & Young-Sprecher. Ob das Unternehmen als Firma unter Verdacht steht oder nur einzelne Personen und ob die Staatsanwalt diese vor Gericht geladen hat, wollte er nicht sagen.

Aus Unternehmenskreisen war zu hören, dass Ernst & Young erst vorige Woche von den Ermittlungen erfahren hatte. Dauer und Umfang der Untersuchung sind bisher nicht bekannt. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch das Justizministerium wollten dazu nichts sagen.

Im Februar war bereits KPMG bei der IRS in Ungnade gefallen, die Staatsanwaltschaft ermittelt auch hier. Damit stehen die Nummern drei und vier der „Big Four“ unter den US-Wirtschaftsprüfern im Fokus der Ermittler. Die Branche ist seit dem Kollaps von Arthur Anderson und dem Skandal um den Energiehändler Enron vor zwei Jahren geschwächt. Experten fürchten, dass mittlerweile zu wenige große Wirtschaftsprüfer die Bücher der weltgrößten Konzerne revidieren.

Die Geschworenenuntersuchung kommt im Fall von Ernst & Young überraschend, da sich der Konzern bereits im Juli 2003 außergerichtlich mit der IRS geeinigt hatte. Der Wirtschaftsprüfer zahlte damals 15 Mrd. $ Strafe, um eine Klage abzuwenden – ohne sich jedoch schuldig zu bekennen. Damals wurde Ernst & Young bezichtigt, Regeln für Steueroasen missachtet und Informationen vorenthalten zu haben. Die Einigung wurde als abschließend betrachtet, da Ernst & Young die verdächtigte Abteilung geschlossen und weitere organisatorische Veränderungen vorgenommen hatte.

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