Bergbau
BHP Billiton muss um den Weltmeistertitel bangen

Der König der Bergbaubranche hat sich 2010 selbst ein Bein gestellt - und das gleich mehrfach. Mehrere Übernahmeversuche von BHP Billiton scheiterten und sorgen jetzt für Angreifbarkeit des Konzerns. Das könnte 2011 zu einem Wechsel in des an der Branchenspitze führen.
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KAPSTADT . Dreimal hat Marius Kloppers, der südafrikanische Chef des australischen Bergbauriesen und Branchenführers BHP Billiton, in den letzten drei Jahren großangelegte Übernahmeversuche gestartet - und dreimal ist er dabei spektakulär gescheitert. Der von ihm geleitete Konzern ist dadurch angreifbar geworden. Nun wetzen seine Gegner die Messer.

Zunächst war da Kloppers kühn gedachter, aber am Ende schlecht durchgeführter Angriff auf den australischen Erzrivalen Rio Tinto, die Nummer zwei im Sektor - unmittelbar vor dem (zeitweiligen) Einbruch der Rohstoffpreise im Zuge der globalen Finanzkrise. Hätte der Husarenstreich geklappt, wäre es die zweitgrößte Übernahme der Unternehmensgeschichte gewesen. Und BHP uneinholbar die Nummer eins im Bergbau geworden - mit einer beispiellosen Marktmacht.

Wenig später gab sich Kloppers bescheidener - und versuchte sich nun an einer 116 Milliarden Dollar teuren Fusion des Eisenerzgeschäfts von BHP und Rio Tinto. Dieses Vorhaben brachte die Stahlhersteller zur Weißglut, die das Erz bereits jetzt teuer einkaufen müssen und ein Marktmonopol befürchteten. Doch auch das ging schief.

Zuletzt scheiterte Kloppers mit der 39 Milliarden Dollar teuren Übernahme des kanadischen Düngemittelherstellers Potash. Diesmal stellte sich die kanadische Regierung quer und verhinderte damit einen weiteren Machtzuwachs des Marktführers. Der Bergbauriese hat so viel Geld in der Kasse wie nie und wirkt dennoch angeschlagen. Die Verfolger in der Branche bringen sich bereits in Stellung.

Zu den Unternehmen an der Spitze, die sich nun ihrerseits durch Zukäufe stärken wollen, zählt neben Rio Tinto auch der brasilianische Eisenerzgigant Vale. Zusammen kontrollieren die drei Schwergewichte rund drei Viertel des weltweiten Eisenerzangebots.

Eine Ausnahme im Verfolgerrudel bildet Anglo American. Das 1999 von Johannesburg nach London umgezogene Bergbauhaus profitiert nun vom strikten Spar- und Konsolidierungskurs seiner amerikanischen Chefin Cynthia Carroll. Seit Beginn der Wirtschaftskrise hat sie fast 25 000 Beschäftigte entlassen - ein Stellenabbau von 25 Prozent. Zeitgleich wurde weiter kräftig in Großprojekte investiert. Auch an einer Übernahme des Diamantenkonzerns De Beers wird Anglo American Interesse nachgesagt. Noch weiß niemand, ob das Unternehmen wirklich die 40 Prozent aufkauft, die die Familie Oppenheimer noch an De Beers hält.

Kein Zweifel: Nach einer kurzen Atempause erlebt die Traditionsbranche gerade ein weiteres fulminantes Comeback. Dem Rohstoffhunger der Chinesen sei Dank. Nur eine Handvoll Unternehmen bestimmt inzwischen das globale Geschäft. Kaum eine andere Industrie hat in den letzten Jahren einen derartigen Strukturwandel vollzogen. Und wenig deutet darauf hin, dass sich im neuen Jahr etwas daran ändert.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Die Krise hat den Unternehmenskonzentrationsprozess enorm beschleunigt. in vielen ohnehin schon nur von ein paar sehr großen Konzernen dominierten branchen hat sich das Wachstum der Größten durch Übernahmen nochmals beschleunigt. Das freut investmentbanker und Anleger, aber für die Weltwirtschaft erwachsen daraus zunehmend große Risiken:

    Erstens werden ganze Volkswirtschaften in zunehmendem Maße von solchen Riesenkonzernen abhängig. Sollte die Weltwirtschaft erneut einbrechen, wird angesichts von Umsatzeinbrüchen von möglicherweise mehr als 20 oder 30 Prozent, wie wir sie nach der Lehman-Pleite erlebt haben, das plötzliche Wanken solcher Riesen kleiner Staaten ins Schleudern bringen können. Ein gutes beispiel sind die Großbanken UbS und Credit Suisse in der Schweiz, deren bilanzsumme das biP des Landes erheblich übersteigt.

    Zweitens bilden bedingt durch die hohe wirtschaftliche Abhängigkeit der Volkswirtschaften von sehr großen Konzernen mit der aktuellen M&A-Welle zunehmend nicht nur im bankensektor, sondern auch in anderen branchen „Too big To Fail“-Fälle.

    Drittens bedeutet eine solche Marktmachtkonzentration praktisch das aus wirksamen Wettbewerbs. Wirksamer Wettbewerb findet praktisch nicht mehr statt, Preiserhöhungen können – oft mit Unterstützung der Spekulanten – nach belieben durchgesetzt werden und das sogar trotz Krise. Wir erleben das nicht nur bei bHP und Co., sondern auch bei den Ölkonzernen sowie den Strom- und Gaskonzernen.

    Seit vier Dekaden wird die Entstehung von immer größeren „National Champions“ industrie- und wirtschaftspolitisch in den industriestaaten nunmehr gefördert (siehe dazu: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2009/05/meganotfusionen-tragen-nicht-zur.html). Es spricht viertens einiges dafür, dass gerade diese durch die Dominanz weniger Konzerne gekennzeichneten Marktstrukturen, eine zentrale Ursache für die Finanzmarktkrise sind und ebenso für die hohe latente instabilität der Weltwirtschaft. Schon nach der Lehman-Pleite hat sich deutlich gezeigt, dass dadurch gerade die großen, global operierenden Konzerne in größte Schwierigkeiten geraten sind und teilweise staatlich gestützt werden mussten.

    Das kann wieder geschehen. Wenn es einen neuen Crash geben sollte, was angesichts der Vielzahl von Risiken niemand ausschließen kann, könnte der dann folgende abrupte Absturz der Weltwirtschaft nicht nur dazu führen, dass große Konzerne wanken (siehe dazu: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2009/10/was-geschieht-wenn-die-nachste-groe_28.html). Sie könnten beim nächsten Mal durchaus auch kippen und es ist fraglich, ob die hoch verschuldeten Staaten überhaupt in der Lage sein würden, sie aufzufangen.

    Das Übernahmefieber könnte sich folglich sowohl für die Konzerne als auch für die Anleger rächen.

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