Bergbau
BHP sieht kaum Chancen für rasche Erholung

Der weltgrößte Bergbaukonzern BHP Billiton hat trotz eines deutlichen Gewinnrückgangs die Erwartungen der Analysten übertroffen.

LONDON. Der weltgrößte Bergbaukonzern BHP Billiton leidet unter den Folgewirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise. Im Ende Juni abgelaufenen Geschäftsjahr sank das Nettoergebnis ohne Sonderposten auf 10,7 Mrd. Dollar, im Vorjahr hatte BHP noch 15,4 Mrd. Dollar verdient. Damit erlitt der Konzern zum ersten Mal in sieben Jahren einen Gewinnrückgang. Mit seinem gestern vorgestellten Zahlen übertraf BHP dennoch die Schätzungen der Analysten, die im Schnitt nur mit einem Gewinn von 10,2 Mrd. Dollar gerechnet hatten. Die Aktie verbuchte an der Londoner Börse leichte Kursgewinne.

Der Bergbauriese entstand im Jahr 2001 aus der britischen Billiton und der australischen BHP (Broken Hill Proprietary Company) und zählt zu den Weltmarktführern im Geschäft mit Kohle und Eisenerz. Er ist zudem in vielen anderen Rohstoffbereichen wie Aluminium, Kupfer, Uran, Nickel und Öl aktiv. Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnte BHP den Gewinn im Eisenerzgeschäft zwar um mehr als ein Drittel auf 6,2 Mrd. Dollar steigern, allerdings brach das Ergebnis der Metallsparte um 84 Prozent auf 1,3 Mrd. Dollar ein. Im Ölsektor fiel der Gewinn um mehr als ein Viertel.

Vorstandschef Marius Kloppers bezeichnete die vergangenen zwölf Monate als „die härteste Zeit, die ich in meiner Karriere erlebt habe“. Es sei kaum möglich vorauszusagen, ob sich die Nachfrage bis 2010 erholen werde. In Nordamerika, Japan und Europa gebe es zwar Zeichen für ein Anziehen der Nachfrage. Allerdings sei nicht klar, ob es sich um einen echten Aufschwung handele oder nur die Lager neu gefüllt würden.

Der gesamte Bergbausektor leidet unter der Weltwirtschaftskrise. Der Nachfrageeinbruch zwang die Konzerne, Kapazitäten stillzulegen und Investitionsprojekte zu verschieben. BHP gilt mit seiner starken Bilanz als eine der Firmen, die von einer Erholung am stärksten profitieren würden. Analysten werteten deshalb den verhaltenen Ausblick von Konzernchef Kloppers als schlechtes Omen für die Konkurrenz. Der Gewinn des brasilianischen Rivalen Vale war im zweiten Quartal 2009 um 84 Prozent eingebrochen, während das Ergebnis des europäischen Konkurrenten Xstrata im ersten Halbjahr um 77 Prozent absackte. „BHP genießt in Sachen Größe und finanzieller Stärke klare Vorteile gegenüber seinen Wettbewerbern“, meinen die Analysten von IG Markets. Kloppers will diese Vorteile auch für Zukäufe nutzen: „Es gibt einige Dinge, die wir uns derzeit anschauen.“

Am 20. August wird Rio Tinto als letzter großer Rohstoffkonzern sein Ergebnis vorlegen. Ende 2008 hatte BHP eine geplante, rund 66 Mrd. Dollar schwere feindliche Übernahme des hochverschuldeten Konkurrenten aufgeben müssen, auch wegen des Preiseinbruchs an den Rohstoffmärkten. Inzwischen kooperieren die beiden weltweit führenden Rohstoffkonzerne allerdings im Eisenerzgeschäft: Rio und BHP werden ihre Erzförderung in Australien zu großen Teilen in einer gemeinsamen Tochter zusammenlegen und wollen damit zehn Mrd. Dollar einsparen.

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