Bergbau
Gutachten ebnet RAG Weg an die Börse

Der Chef des Mischkonzerns RAG, Werner Müller, scheint einen Riesenschritt in Richtung seines großen Ziels Börsengang voranzukommen: Ein erstes von zwei Gutachten im Auftrag der öffentlichen Hand bestätigt, dass der Erlös aus einem IPO reichen würde, um die Beerdigung des deutschen Steinkohlebergbaus zu finanzieren.

str/mjh/kin ESSEN. Das Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, das dem Handelsblatt in Auszügen vorliegt, prognostiziert Erlöse in Höhe von 5,5 Milliarden Euro aus einem Börsengang des Essener Unternehmens, das in den Sparten Bergbau, Chemie (Degussa), Energie und Immobilien tätig ist. Dieser Erlös reiche aus, um bis zum Jahr 2014 vollständig aus der Steinkohleförderung auszusteigen. Das Gutachten war vom Bund und vom Land Nordrhein-Westfalen in Auftrag gegeben worden.

Die Wirtschaftsprüfer machen in ihrem Gutachten folgende Rechnung auf: Die Rückstellungen, die die RAG bereits gebildet habe, belaufen sich auf ebenfalls 5,5 Milliarden Euro. Sämtliche Altlasten und Ewigkeitskosten des Steinkohlebergbaus würden sich 2014 auf reichlich 13,5 Milliarden Euro summieren. Die „Lücke“ von acht Milliarden Euro wäre dem Gutachten zufolge dann zu schließen, wenn der Börsengang im Jahre 2007 etwa 5,5 Milliarden Euro in die Kasse bringen und dieses Geld angelegt würde. Bis 2014 könne die Anlage durch Zinsen und Zinseszinsen auf acht Milliarden Euro wachsen.

Steuerzahler müsste für betriebsbedingte Kündigungen aufkommen

Nicht berücksichtigt sind bei der Berechnung Kosten für betriebsbedingte Kündigungen. Für diese Kosten müssten Bund und Land aufkommen. Ein Ende des deutschen Steinkohlebergbaus im Ruhrgebiet und im Saarland wäre ohne betriebsbedingte Kündigungen erst 2018 möglich.

Das Bundeswirtschaftsministerium wollte die Angaben nicht bestätigen. Das Gutachten liege noch nicht in der Endfassung vor, sagte ein Sprecher. Unter der Hand hieß es allerdings in Berliner Regierungskreisen, die Zahlen seien richtig.

Die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) sagte dem Handelsblatt, das Gutachten sei der erste wichtige Baustein für eine Gesamtentscheidung zur Zukunft des Steinkohlebergbaus. Die Landesregierung erwarte die endgültige Fassung in Kürze. Thoben verwies auf das zweite Gutachten zur Werthaltigkeit des RAG-Konzerns, das spätestens bis zum 23. August vergeben werden soll. Ergebnisse sollen Anfang 2007 vorliegen.

Vor einem Börsengang will sich die RAG einen neuen Namen geben, um internationalen Investoren attraktiver zu erscheinen. In englischer Sprache bedeutet „rag“ Lumpen.

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