Bergbau
RAG leidet unter Kohlepreisverfall

Der Kohlepreis hat sich halbiert, die Nachfrage schwächelt. Vor allem der Einbruch der Stahlproduktion belastet die RAG. Nun prüft der Konzern sogar Kurzarbeit. Ein Geschäftszweig floriert jedoch auch in der Krise: Der Verkauf von stillgelegtem Anlagen und Know-How ins Ausland.

HERNE. Der Kohlepreis hat sich mehr als halbiert, die Nachfrage schwächelt: Ein Jahr nach ihrer Neuorganisation weht der Bergbaugesellschaft RAG ein scharfer Wind ins Gesicht. "Die Krise trifft auch uns", sagte RAG-Vorstandschef Bernd Tönjes dem Handelsblatt.

Vor allem der Einbruch der Stahlproduktion schlägt sich im Kerngeschäft der RAG nieder: Rund ein Fünftel ihres Koks- und Kohlegeschäfts entfällt auf die Stahlindustrie. Die Folge: Die RAG-Kokerei in Bottrop fährt nur noch mit einer Kapazität von 70 Prozent. Im vergangenen Jahr lag die Auslastung zeitweise bei mehr als 100 Prozent. Sollte sich die Lage weiter verschlechtern, könnte es laut Tönjes sogar zu Kurzarbeit kommen. Auch im Kraftwerksbereich, auf den 76 Prozent des gesamten Kohleabsatzes der RAG entfallen, schrumpft die Nachfrage nicht zuletzt wegen der schwachen Konjunktur. Aktuell gibt es in Deutschland noch sechs Bergwerke, die rund 17 Mio. Tonnen Steinkohle fördern; eine Stilllegung ist in diesem Jahr nicht mehr geplant. Zum 30. September 2010 wird im Ruhrgebiet das Bergwerk Ost geschlossen.

Seit Anfang 2008 steht die RAG als hundertprozentige Tochter der RAG-Stiftung für den "schwarzen Bereich" - den Bergbau - der einstigen Ruhrkohle AG. Der "weiße Bereich" aus Chemie, Energie und Immobilien firmiert heute unter Evonik. Hauptaufgabe der neuen RAG ist die Abwicklung des subventionierten Steinkohlebergbaus. Geplant ist, dass die letzte deutsche Zeche Ende 2018 dichtmacht; dieser Beschluss soll 2012 noch einmal überprüft werden. Sollte dann das endgültige Aus für den deutschen Steinkohlebergbau kommen, bleiben der RAG Aufgaben wie das Management der Ewigkeitslasten, also Kosten, die nach Beendigung des Bergbaus weiterbestehen.

Doch noch ist es nicht soweit. Aus der Abwicklung des Steinkohlebergbaus generiert die Gesellschaft über Beteiligungen neues Geschäft. Während die Steinkohleförderung durch Subventionen gestützt wird, müssen die Töchter ein ausgeglichenes Ergebnis erwirtschaften. "Im Beteiligungsbereich stehen wir in Konkurrenz zu allen anderen Unternehmen", sagte Tönjes.

Die RAG Montan Immobilien etwa vermarktet die alten Bergwerksflächen, das sind immerhin rund 13 500 Hektar. Zurzeit arbeitet sie unter anderem mit dem Duisburger Hafen zusammen, der zur Logistikdrehscheibe des Ruhrgebiets werden will. Interessant seien besonders Flächen längs der Autobahnen, die zugleich Anschluss an den Kanal und an Schienen haben, so Tönjes. 2008 erzielte die Tochter einen Umsatz von 38 Mio. Euro.

Seite 1:

RAG leidet unter Kohlepreisverfall

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%