Bergbaukonzern
Anglo American schreibt Gold ab

Wette auf die Inflation: Der amerikanische Hedgefonds Paulson & Co ist beim Goldförderer Anglogold eingestiegen. Damit übernimmt der Hedge-Fonds die restlichen beim Bergbaukonzern Anglo American verbliebenen Anteile an der Goldförderung. Mit dem Verkauf seiner Beteiligungen im Goldsektor geht für Anglo American eine Ära zu Ende.

KAPSTADT. Einer von beiden liegt wohl falsch: Der US-Hedgefonds Paulson & Co ist für 1,28 Mrd. Dollar massiv beim Goldförderer Anglogold eingestiegen. Gekauft hat er die Anteile von Anglo American. Der traditionsreiche Bergbaukonzern ist durch den Verkauf an die Spekulanten restlos aus der Goldförderung ausgestiegen.

Fast unbemerkt ist in Südafrika gerade eine Ära zu Ende gegangen: Über 90 Jahre nach seiner Gründung auf den Goldfeldern um Johannesburg hat der Bergbaukonzern Anglo American die ihm noch verbliebenen 11,3 Prozent an seiner Goldtochter Anglogold Ashanti verkauft. Durch den Ausstieg hat das 1917 von Ernest Oppenheimer gegründete und heute in London residierende Minenhaus erstmals in seiner Firmengeschichte keine Beteiligungen im Goldsektor mehr.

Und das zu einer Zeit, da das gelbe Metall sich nahe seines Allzeithochs bewegt und die einstige Goldtochter stark expandieren will. Die Förderung soll bis 2017 von knapp fünf Mio. Unzen auf sieben Mio. Unzen erhöht werden. Anglo American wird und will daran nicht mehr partizipieren. Der Fokus liegt nun auf den Grundmetallen, auf Platin, Eisenerz und Kohle sowie mit einer 45%-Beteiligung an De Beers auf Diamanten.

Investoren im Goldsektor haben in der Regel andere Erwartungen als Anleger bei anderen Rohstoffen. Wer sich im gelben Metall engagiert, macht dies für gewöhnlich aus Sorge vor einer höheren Inflation – und der damit verbundenen Erwartung auf einen Anstieg des Goldpreises, das in Krisenzeiten als sicherer Hafen gilt.

Genau diese Überlegung hat den US-Hedgefonds Paulson & Co offenbar zu dem 1,28 Mrd. Dollar teuren Einstieg bei Anglogold bewogen. Milliardär John Paulson, der den Fonds verwaltet, ist überzeugt, dass die zuletzt weltweit von den Zentralbanken in den Markt gepumpten Geldmengen zu einer Rückkehr der Inflation führen werden. Der Einstieg von Paulson, den das Forbes Magazin in einem Atemzug mit Investmentguru Warren Buffett nennt, lässt auch deshalb aufhorchen, weil Paulsen bereits vor zwei Jahren gegen die amerikanischen Subprimeprodukte gewettet und hohe Gewinne erzielt hatte. „Paulsen hat ein Gespür dafür, extreme wirtschaftliche Ereignisse vorauszusehen und entsprechend zu handeln“ sagt Michael Dubin von der New Yorker Long Champ Group.

Dass Anglo American schneller als erwartet aus seiner Goldtochter ausgestiegen ist, könnte auch andere als rein strategische Gründe haben. Der Aktienpreis ist im Keller und der Schuldenberg von rund 11 Mrd. Dollar drückt. Im vergangenen Monat wurde erstmals die Dividende gestrichen. Da kommt das Geld des Hedgefonds genau richtig.

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